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Kurt Lewin, dem wir so hervorragende wissenschaftstheoretische und methodologische Untersuchungen verdanken, zeigt in dieser Arbeit die grundlegende Änderung des wissenschaftlichen Denkens, die in der Physik seit Galilei einsetzt, sich aber in der Biologie und Psychologie nur langsam und nicht immer mit voller Bewußtheit Geltung verschafft.
Die aristotelische Physik operiert mit Wertbegriffen: Die „höchsten“ Formen der Bewegung sind die vollendete Kreisbewegung und die Bewegung in der Geraden. Ganz ähnliche werthaltige Unterscheidungen gibt es bei den Ursachen: Auf der einen Seite stehen die guten und sozusagen berechtigten Kräfte des Körpers, die aus seiner Tendenz zur Vollendung kommen, auf der anderen Seite die „Störungen“ durch den Zufall, durch Gegenkräfte anderer Körper. Solche Wertbegriffe sind aus den Naturwissenschaften schon längst verschwunden. Aber die aristotelische Auffassung des Gesetzmäßigen beeinflußt noch heute das wissenschaftliche Denken. Gesetzlich und damit begrifflich faßbar ist für Aristoteles das, was ausnahmslos geschieht, ferner auch das, was häufig geschieht. Ausgeschlossen aus dem Kreise des begrifflich Faßbaren, nur „zufällig“ ist das Einmalige, das Individuum als solches. Die Gesetze der aristotelischen Physik sind eigentlich Beschreibungen der unmittelbar erlebten Wirklichkeit, bringen zunächst eine statistische Ordnung in die verwirrende Mannigfaltigkeit der Erscheinungen. „Nicht jene ‚Allgemeingültigkeit‘ steht im Vordergrund, die die moderne Physik unter Gesetzlichkeit versteht; sondern es wird innerhalb der historisch gegebenen Welt das herausgehoben, was eine gewisse Beharrlichkeit zeigt und daher für das Gesicht dieser Welt in höherem Grade charakteristisch zu sein scheint als ein flüchtiges, nur einmaliges Geschehen.“
Die aristotelischen Begriffe zeigen einen unmittelbaren Bezug zur historisch gegebenen Wirklichkeit und zum tatsächlichen Ablauf des Weltgeschehens. Diese unmittelbare Beziehung auf die historische Gegebenheit fehlt