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Man fragt sich erstaunt, wie dieser Beitrag in eine „Sammlung diagnostisch-therapeutischer Abhandlungen“ hineingeriet. Daß das, was die deutsche Philosophie über das Unbewußte gelehrt hat, irgend eine Bedeutung „für den praktischen Arzt“ haben könnte, wird auch durch das Referat Müllers nicht wahrscheinlich gemacht. Die dem Analytiker naheliegende Vermutung, daß es sich um einen Versuch handelt, der Freud schen Lehre vom Unbewußten auf einem Umweg beizukommen, bestätigt sich schon auf der ersten Seite der kleinen Schrift. Der Autor nennt Freud späterhin nicht immer; besonders dort, wo er moralisiert, zieht er meist die Darstellungstechniken der Anspielung, der Verschiebung, der Ellipse vor. Man hätte gewünscht, daß er in diesem Punkt ebenso offenherzig gewesen wäre wie mit der Preisgabe seiner Arbeitsmethode. Diese besteht darin, daß am Leitfaden zweier Werke über Geschichte der Philosophie, von W. Windelband und K. Fischer, denen auch die meisten Zitate entnommen sind, herausgesucht wird, wo einmal ein neuerer deutscher Philosoph etwas über das Unbewußte gelehrt hat. Das Referat M.'s haftet so sehr an der Oberfläche, daß der Leser kaum mehr als die Namen Leibniz, Kant, Fichte, Schelling, Herbart, Schopen hauer (der ein schlechtes Sittenzeugnis erhält), v. Hartmann erfährt. Aus dem Bericht M.'s müßte man schließen, daß die Philosophie einen dynamischen Begriff des Unbewußten nirgends entwickelt hat, und daß er ihr auch sonst mehr zur Lösung von Verlegenheiten und nicht als Ausgangspunkt produktiver Fragestellung gedient hat. (Dagegen denke man nur etwa an Schopenhauer.) Eine Fußnote verrät, daß es im privaten Sprachgebrauch von M. nicht „unbewußt“, sondern „unterbewußt“ heißt. Müller ist auch tatsächlich nicht am Problem des Unbewußten interessiert, um so mehr aber an der Gretchenfrage. Über seinen eigenen Standort hiezu erfahren wir auf S. 27: „Ich halte es vielmehr, ebenso (!) wie die weitaus größere Mehrzahl der oben erwähnten großen Philosophen, in diesem Punkt