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Die durch Titel und Untertitel geweckten Erwartungen werden nicht befriedigt. Von Rodin erfährt man weniger, als man Anspruch hätte zu erfahren, und von den besonderen Bedingungen seines Schaffens oder Erlebens ist kaum ernsthaft die Rede. Von psychologischen Erklärungsversuchen des künstlerischen Schaffens wird ausführlicher gehandelt; sie werden abgelehnt oder als Teilerklärungen anerkannt. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit Freuds Anschauungen, die S. zum Teil nur aus zweiter Hand und unvollkommen kennt. Die Lehre von der Zensur und den Verdrängungen wird ebenso abgelehnt wie der Pansexualismus (!), dagegen wird — man weiß nicht recht warum — die Existenz eines dynamischen Unbewußten und die Bedeutung des Eros für das künstlerische Schaffen mit Einschränkungen anerkannt.
Ebensowenig befriedigend ist die Diskussion der Anschauungen von Charles Lalo, dessen Lehren in der Darstellung des Verfassers durchaus nicht zu ihrem Rechte kommen. Enger fühlt sich S. mit L. Daudet verknüpft (vgl. dessen L'hérédo).
Die „Psychologie“ des künstlerischen Schaffens, auf die S. selbst abzielt, ist entschieden metaphsysisch orientiert, ruht auf einer existenziellen Philosophie, die vier Arten des Relativen unterscheidet (le relatif amoureux initial, le relatif extérieur, le relatif vital, le relatif intérieur), denen ein Absolutes gegenübersteht. Was gemeint ist, sei an einem Beispiel illustriert: Da in Rodins Leben das Absolute der Liebe fehlte, das in seinem Inneren wach war, hat er es in sein Werk übersetzt (S. 123). Es erübrigt sich, diese Anschauungen ausführlicher wiederzugeben; der Autor beabsichtigt, sie gelegentlich zu vertiefen, und erklärt ausdrücklich (S. 145), daß er nicht den Anspruch erhebe, seine Gedanken klar ausgesprochen zu haben.
E. K. (Wien)