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Der Bonner Experimentalpsychologe Gustav Störring polemisiert in dieser Schrift gegen die Hauptvertreter der geisteswissenschaftlichen Psychologie zugunsten der „naturwissenschaftlich fundierten“. In ausführlicher Weise befaßt sich der Autor mit der „geisteswissenschaftlichen“ Psychologie Diltheys, der „verstehenden“ von Jaspers, mit
der sogenannten einsichtigen Psychologie Erismanns und schließlich mit der geisteswissenschaftlichen und verstehenden Psychologie Sprangers. Störrings Kritik der Theorie des Verstehens bei Jaspers und Spranger deckt sich weitgehend mit den Ansichten, die Ref. in seiner Arbeit „Zur Problematik der Einfühlung und des psychologischen Verstehens“ (Imago XVII, S. 305 ff.) dargelegt hat. Gegen [die Psychoanalyse, deren methodisches Vorgehen Erismann der Psychologie empfiehlt, wendet Störring ein: „Die Psychoanalyse hat ja einen rechten Kern, aber in den meisten psychoanalytischen Schriften herrscht doch solche Willkür der Deutung, daß die Entwicklungen häufig jeder Forderung wissenschaftlicher Exaktheit geradezu ins Gesicht schlagen. Das gilt auch von der Verwertung der Werke der schönen Literatur durch die Psychoanalyse.“ Und an anderer Stelle: „Man muß nur wissen, welche phantastischen, jeder Forderung wissenschaftlicher Strenge Hohn sprechenden Deutungen hier eine vermeintliche Einsicht in die seelische Erkrankung in einer Fülle von Fällen zutage gefördert hat.“ Den nämlichen Vorwurf geringer wissenschaftlicher Dignität wiederholt Störring dort, wo Spranger behauptet, daß die Psychoanalyse methodisch zweckmäßiger verfahre, wenn sie das „Unterbewußte“ in Anspruch nehme, als wenn der Psychologe auf physiologische Tatbestände Bezug nehme („Psychologica, psychologice“).
Trotz der im großen ganzen ablehnenden Stellungnahme des Verfassers zur Tiefenpsy chologie wird auch der Psychoanalytiker als Vertreter einer Disziplin von naturwissen schaftlichem Charakter den Einwänden Störrings gegen eine geisteswissenschaftliche Psychologie zustimmen müss