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Die psychoanalytische Lehre hat in ständiger Infiltration fast alle Gebiete der Kunst und der Psychologie der Künste befruchtet. Merkwürdigerweise blieb sie, die Seelenkunde des Irrationalen, gerade der Musik, der irrationalsten aller Künste, fern. Nur Teilprobleme wurden behandelt, das Ganze, die Grundlagen blieben unangetastet.
Es mögen wohl persönliche Gründe, wie Mangel an musikalischem Interesse bei den führenden Vertretern der Lehre, Anteil an diesem Ausfall haben. Doch ist vielleicht die angewandte Methode, die — z. B. vom erzählten Traume ausgehend — an Worte und an durch Worte beschriebene Bilder gebunden ist, ungeeignet, Musik zu erklären. Ton und Geräusch sind Vorstufen des Wortes und der Sprache, daher ursprünglichere und unmittelbarere Ausdruckserscheinungen. Man muß ihr Wesen in ihrer primitivsten Form erfassen, als die unmittelbare Abfuhr einer reizverursachten Spannung, als eine muskuläre Reaktion zum Ausgleich einer Gleichgewichtsstörung, die als lustbetontes Nebenprodukt einen unartikulierten, ungeformten Schrei hervorruft. Man muß sie außerdem immer als Ausdruck erklären wollen, nicht als Eindruck, der doch immer sekundär ist.
Der erste Schrei des Kindes, ausgelöst vom Kältereiz der Haut, das unartikulierte Jammern des in Schmerzen sich windenden Menschen sind primäre akustische, lustbetonte und irrationale Ausdruckserscheinungen; lustbetont, da sie Erleichterung schaffen, irrational, da sie ungehemmt maßlos sind. Man könnte auch vermuten, sie seien lustbetont, weil ihre Abfuhr ungehemmt erfolgt.
Zunächst soll der Begriff der Irrationalität untersucht werden. Irrational ist nicht zwecklos, nur unzweckmäßig; das Maß entspricht dem Zweck nicht. Die angewandte oder bereitstehende Kraft ist zu groß, oder der Zweck ist zu hoch, unerreichbar, verborgen. Irrational ist also eine maßlose, ungehemmte Antwort auf Reize, ein Überfluß, ein Luxus der organischen Natur. Rational nennen wir dagegen das durch Erfahrung, Zwang angepaßte adäquate Verhältnis zwischen K