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„Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht.
Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden,
Wenn unerträglich wird die Last — greift er
Hinauf getrosten Mutes in den Himmel
Und holt herunter seine ew'gen Rechte,
Die droben hangen unveräußerlich
Und unzerbrechlich wie die Sterne selbst.“
Unter Pathos versteht man gemeinhin deri erhabenen sprachlichen Ausdruck einer leidenschaftlichen Gemütsbewegung. Da Gefühl und sprachlicher Ausdruck ja ineinander übergehen, bezeichnet man mit Pathos (gr. πάϑοϛ, eigentlich das Leiden, das Ergriffensein) auch jeden diesem Ausdruck zugrunde liegenden stärkeren Affekt, insbesondere die gehobene, feierliche Stimmung. Pathos ist auch der Musik, Architektur, Malerei und Plastik nicht fremd. Mit dem Begriffe des Pathos verbindet sich leicht der des Übersteigerten, Verschwommenen, Hohlen, nicht völlig Echten: dem ausdrucksarmen Typus erscheint der pathetische Mensch zumeist manisch-komödiantisch. Der pathetische Südländer wirkt so auf den Nordländer.
Auf das Benehmen von Kindern wenden wir wohl nicht die Bezeichnung „Pathos“ an. Erst der Pubertierende entwickelt wirkliches „Pathos“; bei einem Kinde, das pathetisch redet, haben wir den Eindruck des Übernommenen, Nachgeahmten. Er stimmt auch mit dem überein, was uns klinische, Beobachtungen über die Genese des Pathos lehren.
Die Erziehungspersonen pflegen mit dem Kind in pathetischem Tone zu reden, wenn sie ihm Vorwürfe machen oder Belehrungen erteilen. Man denke an die Häufigkeit des pathetischen Ausrufs: „Pfui, das tut man nicht“ in der Erziehung. Schon beim Kinde besteht eine nicht seltene Reaktion darin, daß es die Vorwürfe, die, ob nun berechtigt oder unberechtigt, in jedem Fall als narzißtische Kränkungen empfunden werden, mechanisch (als „Retourkutsche“) in dem gleichen Ton zurückgibt. („Du bist es, nicht ich“, Projektion auf den anderen.) Nachdem sich dann das Über-Ich als verinnerlichte Ehernrepräsentanz gebildet hat, werden dessen Vorwürfe mit der gleichen pathetischen Reaktion beantwortet;