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Meine Damen und Herren!
Ich muß mir heute Ihre besondere Nachsicht erbitten. Denn es handelt sich um ein Thema, dem alle Bedenken, die wir Vorträgen aus dem Anwendungsgebiet der Psychoanalyse entgegenbringen, in besonderem Maße gelten. Lassen sich in solchen Vorträgen ermüdende Umwege, die zu den psychologischen Fragestellungen führen, sonst nur schwer vermeiden, so sehe ich mich heute gezwungen, Sie zu einem besonders langen Umweg einzuladen, und kann Ihnen die Ergebnisse nicht als in irgend einem Sinn unerwartet ankündigen.
Das wichtigste Motiv, meine Bedenken zu unterdrücken, war, daß ich mich vor Ihnen auf einige seiner Ergebnisse berufen habe, als ich vor zwei Jahren die Ehre hatte, über einige Werke des geisteskranken Bildhauers Franz Xaver Messerschmidt zu berichten.2 Was ich heute zu sagen vorhabe, ist als Fortsetzung einiger Problemstellungen gedacht, die damals angekündigt wurden, als Fortsetzung in sachlicher Hinsicht, aber auch hinsichtlich einer methodischen Frage.
Ich kann es nicht vermeiden, diese Frage nochmals kursorisch zu entwickeln. Sie betrifft Grundsätzliches zur Anwendung der Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften.
Schon als Einleitung zu jenem älteren Vortrag versuchte ich, darauf hinzuweisen, daß die Anwendungen der Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften in ein neues Stadium zu treten scheinen und sich mehrere Aufgaben solcher Arbeiten unterscheiden lassen, Aufgaben, die, obgleich sie auch heute noch nebeneinander bestehen, sich doch nacheinander ergeben haben; der Wichtigkeit nach sind sie heute nicht mehr gleichwertig. Denn die erste dieser Aufgaben, die Befunde der Psychoanalyse an dem großen Material zu sichern, das die Geschichte der Menschheit bietet, kann uns nicht mehr so