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Einführend weist der Herausgeber dieser prächtigen Sammlung mit Recht darauf hin, daß dieses Gebiet der künstlerischen Weltproduktion im Gegensatz zur Plastik der Primitiven bisher nur sehr selten beachtet worden ist, obwohl ihre poetische Begabung keineswegs geringer ist als ihr plastisches Talent. Für Frömmigkeit, Liebe, Krieg, Trauer und Schmerz findet der Naturmensch ergreifenden, allmenschlichen Ausdruck.
In einem Nachtrag werden die Formen dieser Dichtung, ihre Verschmolzenheit zu Wort, Ton, Geste, die häufige Verwendung von Wiederholungen, die seelischen Quellen, wobei die Wirkung der Landschaft eine besondere Überraschung bildet, hervorgehoben; es wird gezeigt, wie es bei einzelnen primitiven Völkern eine bewußte Pflege der Dichtkunst sowohl bei der Gemeinschaft als beim Einzelnen gibt, die uns doch auf den ersten Blick als ein Zeichen hoher Kultur erscheint, und es wird schließlich auf die Stileinheit von bildender und plastischer Kunst bei den verschiedenen primitiven Kulturen hingewiesen. Ein Register der Stämme und der europäischen Autoren schließt den vornehm ausgestatteten Band.
Die Dichtungen stammen von den Naturvölkern der ganzen Erde und gruppieren sich in folgende Themen: Religion und Magie; Tod und Krankheit; Liebe und Familienleben; Geselligkeit; Kampf, Triumph, Lobpreis, Jagd; Monologe; Kinderschlaflieder; Tierlieder und Landschaft.
Sie erwecken beim Leser ein ähnlich verwundertes Staunen wie etwa der Anblick der Malereien der Eiszeit in den Höhlen von Altamira oder das Studium von gewissen Zeichnungen von Kindern oder Geisteskranken, in denen der Psychqanalytiker in analoger Weise die tiefsten Quellen produktiver Schönheit wirksam sieht.
A. Kielholz (Königsfelden-Aargau).