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In meinem Aufsatz „Kinderanalyse und Mutter“ habe ich die Stärke des mütterlichen Einflusses auf das Kind darzustellen versucht.2 Ich konnte damals an dem Bruchstück einer Kinderanalyse zeigen, wie das Bild der Probleme des Kindes ständig durch die Einwirkung der bewußten und unbewußten Gefühlsreaktionen der Mutter verzerrt und getrübt wird. Diese gegenseitige Beeinflussung der Affekte zwischen Mutter und Kind hat seitdem nicht aufgehört, mich als Problem zu beschäftigen. Ich möchte das gleiche Thema auch heute mit einigen weiteren Beobachtungen und Überlegungen fortsetzen. Dabei betone ich ausdrücklich, daß mein Thema nicht mit dem der Entwicklung der Beobachtungsgabe beim Kleinkind identisch ist. Diese letztere Frage ist das viel weitere Problem, das in einer großen Anzahl experimenteller schulpsychologischer Arbeiten Bearbeitung gefunden hat. Während diese Arbeiten die Beobachtung der intellektuellen Entwicklung in den Vordergrund stellen und die Affektentwicklung in zweiter Linie betrachten, beziehe ich mich hier ausschließlich auf Affektbeobachtung und Affektentwicklung und führe das Intellektuelle nur beispielsweise mit an.
Das kleine Kind ist vor allem ein Empfänger von Reizen. Von einem gewissen Alter an beginnt es, diese empfangenen Reize auch zu verarbeiten; wir sagen: es beobachtet. Diese Beobachtungstätigkeit beschränkt sich natürlich nicht nur auf das Sehen, sondern bedient sich gleichmäßig aller Sinnesorgane. Manche dieser Beobachtungen werden den Eltern auffällig, die dann in irgendeiner Weise, ermutigend oder abmahnend, auf diese Tätigkeit des Kindes reagieren. Aber der Großteil der kindlichen Beobachtung bleibt Privatangelegenheit des Kindes.
Wir können annehmen, daß das kleine Kind seine Aufmerksamkeit sehr frühzeitig auf das wechselnde Mienenspiel der Mutter richtet und je nach dem Gesehenen Lust oder Unlust aus seinen Beobachtungen bezieht. Es beobachtet unbemerkt, macht seine eigenen Erfahrungen, zieht seine eigenen Schlüsse aus ihnen und stapelt