You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Seit den Anfängen theoretischen Denkens hat die Frage nach dem richtigen Maßstab, der an künstlerische Leistungen zu legen ist, über den Kreis der Ästhetiker hinaus Interesse erweckt; Philosophen und Geisteswissenschaftler haben sich zu allen Zeiten um die Gewinnung einer solchen Skala und um deren Begründung und Verankerung innerhalb ihrer Systeme bemüht. Es ist klar, daß es sich dabei durchgehend, mag sich der Autor noch so esoterisch gebärden, um das handelt, was man in der Analyse als nachträgliche Rationalisierung zu bezeichnen gewohnt ist. Nicht selten wird in solchen Systemen das Kernstück jeder Metaphysik (also der „eigentlichen“ Philosophie, die die Herzen der Menschen bewegt), nämlich eine auf absolute Geltung Anspruch erhebende Wertlehre, am Kunstwerk und am Kunsterlebnis exemplifiziert; ja der Kritiker argumentiert oft mit solcher Vorliebe in dieser Sphäre, daß es den Anschein hat, als hätte er umgekehrt auf dem Fundament seiner künstlerischen Eindrücke sein System, seine Weltanschauung errichtet. Gewiß ist sich der Analytiker über die inneren Zusammenhänge solcher Geistesgebilde zumindest grundsätzlich im klaren und der Umstand, daß gerade das ästhetische Erlebnis im Zentrum des Manifesten liegt, ist für ihn nur von symptomatischer Bedeutung. Trotzdem aber bleibt das geistesgeschichtliche Phänomen der Existenz solcher „Kunstphilosophien“ interessant und wird um so merkwürdiger, je mehr man sich in dieser von Plato bis zu Nietzsche und Stefan George gespannten Kette der Gegenwart nähert und damit einer Stufe theoretischer Einsicht, die solche Betrachtungsweisen, sobald sie den Bereich des Gleichnisses überschreiten, nicht nur ablehnt, sondern der vielmehr schon ihre bloße intellektuelle Möglichkeit zum Problem wird, das sich nur mit den Mitteln der Analyse bewältigen läßt.
Hier scheint es am Platz, vor einem Mißverständnis zu warnen: Wir reden keineswegs der Ansicht das Wort, daß mit der Analyse eines Geistesgebildes oder vielmehr seines Schöpfers alles g