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Allen bisherigen Versuchen, das Phänomen des Spielens theoretisch zu begründen, setzt dieses Buch eine durchaus neue Form der Auffassung entgegen. Es bricht dabei bewußt mit der wissenschaftlichen Überlieferung, kausal oder teleologisch begründend an die Phänomene der Lebenserscheinungen heranzugehen. Es beschränkt sich darauf, das Spiel als einen Wesenszug in der Sphäre des Jugendlichen möglichst vielseitig zu schildern. Nicht das Spiel beim Tier, beim Kinde, das spielende Tier, das spielende Kind werden dargestellt.
Das Spiel — das ist der Ausgangspunkt — gehört zum Wesen des Jugendlichen. Und für dieses ist es bezeichnend, daß es nicht festgelegt erscheint in bestimmte, auf das Schema Reiz-Reaktion zurückführbare Lebensabläufe, sondern daß seine Dynamik plastisch, ungerichtet erscheint. Zwei Grundtendenzen — B. nennt sie „Triebe“ — bestimmen die dynamische Form des jugendlichen Lebens: Befreiungstrieb und Vereinigungstrieb. — Der Befreiungstrieb: Wir dürfen die Bewegtheit, die im Spiel über den bestehenden Zustand hinaus zur Betätigung drängt, nicht einfach auf das Reflexschema zurückführen. Im Spiel ist das Müssen nicht wie beim Reflex außerpersönlich, sondern durchaus personhaft, ichhaft. Ähnlich vielleicht wie bei der Atmung. Wollen wir oder müssen wir atmen? Wir müssen atmen wollen. Und so ist es auch mit dem Spielen: Das Tier, das Kind will spielen. Aber es muß spielen wollen. Es wird dazu veranlaßt durch einen triebhaften, aber zugleich ichhaften Drang. Diesem „Trieb“ nach Befreiung steht gegenüber der Vereinigungstrieb, der „eine konservative Richtung, ein Zurück nach dem Nest, nach dem Muttertier“ hat. „Das ist die erste Lockung und eine notwendige Folge des primären Befreiungstriebes“ (Regression). Zweitens aber nimmt dieser Vereinigungstrieb eine Richtung über das Bekannte hinaus ins Unbekannte.
Aus der Antithese dieser beiden Tendenzen erwachsen dem Jugendlichen nach und nach immer neue und differenziertere Umweltformen. Denn ein stetig und beliebig wech