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Unser fortscheitendes Verständnis für die Verhaltensweisen der Tiere beruht auf der Analyse von Situationen verschieden hoher Zusammengesetztheit, angefangen vom Spinalreflex bis zu ungehemmter Freiheit unter natürlichen Bedingungen. In ihrer Studie über „Mütterliches Verhalten der Ratte“ haben die Autoren einen mittleren Grad von Komplexität gewählt; sie nahmen Albinoratten vom Wistarstamm, die unter Laboratoriumsbedingungen
viele Generationen lang durch Inzucht vermehrt wurden, so daß sie den höchsten Grad genetisch-konstitutioneller Einheitlichkeit gewährleisten, der bei Vercebraten erzielbar ist. Die Versuchstiere lebten in Käfigen und wurden dort beobachtet; die beobachteten Reaktionen waren daher einerseits nicht so unbestimmt wie „mütterliches Verhalten“ überhaupt, anderseits nicht so einfach wie etwa ein Reflex.
Mütterliche Verhaltensweisen manifestieren sich bei den Ratten in verschiedenen Tätigkeiten, wie in Lecken und Nähren der Jungen, im Zurückholen der Jungen, wenn sie sich außerhalb des Nestes befinden, und im Nesterbauen. Die Beobachtungen der Autoren über die Variationen dieser Tätigkeiten bei verschiedenen Tieren und bei ein und demselben Tier unter verschiedenartigen Bedingungen zeigen, daß der relative Entwicklungsgrad der einzelnen Tätigkeiten wechselt; demnach entsprechen diese Tätigkeiten, wenigstens zum Teil, unabhängigen Trieben. Ob die erwähnten Tätigkeiten selbst homogen oder heterogen sind, ist noch nicht festgestellt.
Für ein eingehendes Studium wurde das Wiederfinden der Jungen gewählt. Diese Tätigkeit hat unmittelbar nach dem Gebären ihren Höhepunkt, sinkt dann rasch auf ein niedrigeres Niveau ab und dauert noch eine Zeitlang fort, je nach der Veranlagung des Einzeltieres und danach, ob der Experimentator die Mutter weiter mit Tieren versorgt, die jung genug sind, ihre Antworthandlung zu provozieren. Rattenjunge über ein gewisses Alter werden nicht mehr zurückgeholt; das „Zurückholen“ hört gewöhnlich etwa mit der Laktation auf; immerhi