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Der medizinische Psychologe kümmert sich im allgemeinen wenig um die Grenzen seiner Wissenschaft. Allerdings bringen die Anforderungen einer Privatpraxis gewisse Beschränkungen mit sich, theoretisch betrachtet hat jedoch das Feld seiner Tätigkeit keinerlei Grenzen außer denen, die er selbst der psychischen Struktur und der psychischen Funktion setzt. Anerkanntermaßen bezogen sich seine frühsten Ansprüche auf das Gebiet der Neurosen, doch als der Zeitpunkt gekommen war, die Psychosen und das sogenannte “normale“ Verhalten zu untersuchen, machte sich der medizinische Psychologe an diese Aufgabe, ohne sich viel um den Psychiater oder den Vertreter der “normalen“ Psychologie zu kümmern.
Ein Außenstehender sieht hierin vielleicht eine geringschätzige Haltung diesen anderen Schulen gegenüber, und da viele Psychologen, um nicht zu sagen, Psychotherapeuten, dazu neigen, manchmal aus ihrer Berufsarbeit eine Tugend zu machen, so möchte ich mich ausdrücklich von einer solchen Stellungnahme ausschließen. Der Hauptgrund, weshalb sich medizinische Psychologen den anderen Schulen fern zu halten scheinen, liegt meiner Meinung nach darin, daß sie, abgesehen von einigem klinischen oder deskriptiven Material, in psychiatrischen oder akademischen Schriften wenig gefunden haben, was in ihrer Berufsarbeit die Mühe des Lebens gelohnt hätte. Das ist vielleicht ein sehr verallgemeinerndes Urteil, doch ist es nicht notwendigerweise