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Im folgenden sollen einige neue Ergebnisse der medizinischen Statistik mitgeteilt und in ihrer Beziehung zu Einsichten der Psychoanalyse erörtert werden. Das Thema, an dem diese Beziehungen aufgewiesen werden sollen, steht zwar nicht im Mittelpunkt der psychoanalytischen Forschung, aber hat doch innerhalb der psychoanalytischen Literatur gelegentlich und auch in letzter Zeit fruchtbare Diskussion erfahren. Ich meine das Problem der Selbstmordhandlung.
Der Selbstmord nimmt in sehr vielen Ländern zu. Manche Länder weisen keine Selbstmordstatistik aus, andere geben bloß lückenhafte Daten an. Trotzdem können wir schätzungsweise annehmen, daß in Europa jährlich weit über 100.000 Menschen durch Selbstmord enden und viele Hunderttausende Selbstmord versuchen.1 Noch mangelhafter als die Statistik der Tat ist die Statistik der Motive. Die Gewinnung dieser Angaben ist mit zu großen Fehlerquellen belastet, um einen verläßlichen Einblick in das Geschehen zu gewähren. Wer das Wechselspiel des Bw und Ubw kennt, sieht leicht, daß die Angaben der Angehörigen oder hinterlassene Briefe nur selten über die seelischen Zustände, die zur SMH führten, Aufschluß geben. Bedeutsamer sind die Ergebnisse der Statistik, die aus einer Analyse der Zugehörigkeit der Selbstmörder zu den verschiedenen biologischen, pathologischen und sozialen Bevölkerungsgruppen gewonnen werden. Dadurch, daß die Statistik die Gruppe und nicht den Einzelnen zum Studienobjekt nimmt, ist es möglich, daß sie Tendenzen und Mechanismen aufdeckt, die nicht dem Ich sondern tieferen Schichten angehören. Daher können ihre Ergebnisse mit psychoanalytischen übereinstimmen.
Viele psychische, soziale und wirtschaftliche Ursachen werden für den SM und seine Zunahme verantwortlich gemacht. Einige, die sowohl in der populären Meinung als auch in der wissenschaftlichen Literatur immer wieder auftauchen, sollen hier auch besprochen werden.