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In seiner Arbeit „Über die Ursachen des Selbstmordes“ hat Halbwachs2 folgende Definition dieses Phänomens gegeben: „Selbstmord nennen wir jeden Todesfall, den der Verstorbene durch eine in der Absicht, sich zu töten, vollzogene Handlung selbst herbeigeführt hat, und der keinen Opfertod darstellt.“ Diese Interpretation beansprucht unser besonderes Interesse, weil sie zweierlei Fakten zueinander in Beziehung setzt, die man bisher gesondert zu betrachten gewohnt war. Sowohl Selbstmord als Opfertod sind Gegenstand zahlreicher psychologischer und soziologischer Studien gewesen und in der verschiedensten Weise analysiert und gedeutet worden. Auch die Psychoanalyse hat sich mit diesen Phänomenen und den damit verknüpften Problemen beschäftigt; die durchgeführten Beobachtungen und zu dem Thema Selbstmord und Opfertod aufgestellten Theorien können für die analytische Forschung nur von Nutzen sein; andererseits ermöglicht uns erst die Psychoanalyse, diese Tatsachen in einem völlig neuen Lichte zu sehen, ihnen den ihnen gebührenden Platz anzuweisen und sie viel vollständiger und umfassender zu erklären.
Wenn wir nun die soziologische These über den Selbstmord und den Opfertod und die psychoanalytische Deutung dieser Tatsachen einem besonderen Studium unterziehen, wird es uns vielleicht gelingen, ihr Wesen, ihre Natur und ihre Genesis besser zu erfassen; und wenn wir den Ursprüngslichen Rahmen dieser Untersuchung erweitern, werden wir zwischen Soziologie und Psychoanalyse neue Brücken bauen können.
Wir wollen zunächst die These von Halbwachs prüfen und untersuchen, welche Gründe ihn dazu veranlassen, Selbstmord und Opfertod vergleichend einander zu nähern und doch zwischen beiden Phänomenen einen Trennungsstrich zu ziehen.
Er beginnt damit, uns die Theorie von Durckheim ins Gedächtnis zu rufen, der den Selbstmord definiert als „jeden Todesfall, der direkt oder indirekt auf eine Handlung oder Unterlassung zurückzuführen ist, die das Opferselbst begangen hat, und von deres gewußt ha