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Dostojewskis Romanheld „Der Jüngling“ lebt jahrelang in der Phantasie, reich zu werden, steinreich. Wenn es ihm gelänge, so reich zu werden wie Rothschild, würde er nichts davon merken lassen; wie früher würde er in abge
schabtem Anzug über die Straße gehen, kein Mensch würde wissen, daß er unermeßlich reich sei. „Mir genügt das Bewußtsein“, läßt ihn der Dichter sagen.
Das Beispiel zeigt eine Spielart des phantastischen Denkens, u. zw. die, welche wir mit dem Worte „Geheimnis“ bezeichnen.
In der psychoanalytischen Arbeit drängt sich das Phänomen häufig genug auf. Denn, wenn schon der Alltagspsychologie angehörig, trifft man es auch beim Kranken an und dann unter interessanten Bedingungen.
Wenn wir — zunächst unabhängig von den Erfahrungen der Analyse — verssuchen, den Begriff aus dem Gebrauch des täglichen Lebens abzuleiten, so können wir feststellen: das Geheimnis erscheint besonders unsozial, denn es verliert seine Eigenschaften, sobald sein Inhalt der Gesamtheit angehört. Sein Wesen ist das Wissen einer Person um einen Tatbestand unter Ausschließung aller übrigen von diesem Wissen. Die Ausschließung enthält die Dynamik des Geheimnisbegriffes. Gerade in ihr liegt seine Macht.
Die Ausschließung der Gesamtheit macht das Geheimnis gleichsam zum Privatbesitz und reiht es assoziativ in die Besitztümer des Menschen ein. Von ihnen unterscheidet es sich durch Verborgenheit. Es ist ein Besitz, von dem die anderen nichts wissen, vergleichbar dem versteckten Golde des Geizhalses. Aber kein konkreter Besitz wie Gold und Eigentum, sondern ein ideeller gleich Ehre und Ruhm. Also ein gleichzeitig verborgener und abstrakter Besitz, was ja nicht dasselbe ist.
Die Besitztümer überleben den Menschen, der Besitz „Geheimnis“ verhält sich anhänglicher; er ist bereit, mit seinem Träger zugrundezugehen. Hierdurch tritt er in die Analogie mit den körperlichen „Besitztümern“ des Menschen, seinem Kopf, sein