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Eine psychoanalytische Untersuchung der Schriften Sören Kierkegaards findet günsuge Bedingungen vor. Selten ist eine bedeutende schriftstellerische Produktion so sehr aus subjektivsten Konfükten getrieben worden, wie das bei Kierkegaard der Fall war. In K.s Leben spielt seine Beziehung zu einer Frau, Regina Olsen, eine zentrale Rolle. Er war mit ihr verlobt, hat aber die Verlobung gelöst. K. ist mit dieser Beziehung offenbar nie richtig fertig geworden. Seine bekanntesten Schriften haben in einer Weise, die ebensoviel aufdeckt wie verhüllt, sein Verhältnis zu Regina Olsen zum Gegenstande. Die wirklichen Hintergründe dieser seltsamen „Liebe“ sind nie bekannt geworden. Die Kierkegaard-Forschung bemüht sich, das Geheimnis dieser merkwürdigen Persönlichkeit, die heute auf deutsche Philosophen wie Jaspers und Heidegger einen starken Einfluß ausübt, zu enträtseln. Es ist fraglos, daß zum Verständnis von K.s Persönlichkeit die Beziehung zu Regina Olsen eine Schlüsselstellung einnimmt. Die historisch-biographische Forschung konnte aber bisher diese und manche anderen Probleme der Psychologie K.s nicht lösen. Eine psychoanalytische Untersuchung, die versucht, diese ungeklärten Fragen zu beantworten, darf also auf besonderes Interesse rechnen.
L. hat geschickt das Material aus K.s Schriften zusammengesucht und geordnet, „Indizienbeweise“ gesammelt, die Vermutungen erlauben, welche seelischen Prozesse sich in K. abgespielt haben, wie seine Konflikte, seine Angst, seine Qualen zu erklären sind. Wir erfahren, daß K.s Interesse von religiösen Figuren gefesselt wird. Er bewundert Abraham, weil er seinen Sohn opfern und trotzdem an Gott glauben konnte, aber er bewundert auch Hiob, der es wagte, mit Gott zu hadern.
K. erzählt in seinen Schriften (Die Wiederholung) von einem jungen Mann, der seine Geliebte, zu der er leidenschaftliche Zuneigung empfand, nach der Verlobung nicht länger lieben konnte, weil seine Liebe zur Erinnerung, zu einer „Erinnerungsliebe“ wurde. Und die Erinnerungs