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Ich glaube, ich verdanke die ehrenvolle Aufforderung, heute über Affektlehre zu sprechen, der Tatsache, daß meine Untersuchungen an alte Gedankengänge Freuds anknüpfen. So wird dargetan, daß wir nicht nur in der Therapie stets auf die Kindheit zurückgreifen, sondern daß auch jegliche Wissenschaft sich immer ihrer Ausgänge bewußt bleiben muß. Dann handelt es sich nicht um eine trockene, sozusagen philologische Untersuchung über die Ursprünge, sondern um Wiederaufnahme alter Ideengänge, die uns in jedem Augenblick unseres praktischen Schaffens befruchten können, Freudist, nachdem er ganz am Anfang seiner Tätigkeit auf die Bedeutung der „eingeklemmten Affekte“ zu reden kam, nur selten noch auf die Affekte als Ganzes eingegangen. Er hat sich zuerst der Trieblehre, später dem Über-Ich zugewandt. Wir aber fragen: was sind denn diese Affekte, deren Schicksal so bedeutungsvoll werden kann? Wie entstehen sie? Welche Entwicklung machen sie im gewöhnlichen durch?
Wir beschäftigen uns phylogenetisch und ontogenetisch mit einem Teil des Ichs. Denn während die Kräfte des Es, die Triebe, kontinuierlich, bezw. rhythmisch entsprechend den Lebensvorgängen an den Organen fließen, handelt es sich bei den Affekten um Reaktionen auf Reize der Außenwelt. Und zwar sind die Affekte typische, als Möglichkeiten ererbte Antworten auf typische Anforderungen. Sie gehören somit nicht in den Bereich des persönlichen, im Einzelleben entstandenen Ichs, sondern sind ein wichtiger Teil des „unpersönlichen Ichs“.
Wenn wir etwas in der Natur erklären wollen, so müssen wir die Entstehungsgeschichte studieren. Wir dürfen als nicht von jenem Endzustand ausgehen, den man fast nur auf dem seelischen Gebiet als Affekttönung und Gefühlsfärbung kennt. Vielmehr müssen wir das zum Ausgangspunkt machen, was man im Leben des Kindes, ja des Neugeborenen jeden Augenblick beobachten kann, dem wir übrigens auch beim Erwachsenen in besondern Situationen nicht selten begegnen: den Affektanfällen; diese sind bei jedem Affek