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Die Autorin war vor die Aufgabe gestellt, die Grunderfahrungen der Psychoanalyse vor praktisch arbeitenden Pädagogen gemeinverständlich darzustellen.
Sie war sich der Schwierigkeit wohl bewußt, die darin liegt, den Praktiker zu bewegen, seinen täglichen Erfahrungen grundsätzlich neue Gesichtspunkte abzugewinnen. Mit Geschick und kundiger Hand, die selber die pädagogische Begabung verrät, hat sie die Außgabe gelöst.
Die Zuhörer sind Horterzieher der Stadt Wien. „Der Kinderhort, der die aus äußeren oder inneren Gründen im Elternhaus gefährdeten Kinder in der schulfreien Zeit des Tages aufnehmen soll, ist die jüngste unter den öffentlichen Erziehungseinrichtungen der Stadt Wien“. Er soll der wachsenden Verwahrlosung der Jugend steuern und verdankt seine Existenz der Einsicht, daß Vorbeugen besser ist als Heilen.
In vier Vorträgen, die sorgfältig gegeneinander abgewogen sind, wird der Stoff in allen wichtigen Teilen entwickelt.
Der erste Vortrag orientiert über die infantile Amnesie und den Ödipuskomplex. Es wird darauf hingewiesen, daß unter den Proletarierkindern unendlich mehr Liebe und Zuneigung unter den Geschwistern zu finden ist als in den Familien des Mittelstandes. Die arbeitenden Mütter können ihren Kindern viel weniger Fürsorge zuwenden. Nun wissen wir aber, daß die Eifersucht zwischen den Geschwistern umso geringer ist, je weniger eng die Beziehungen zur Mutter sind.
Der zweite Vortrag behandelt das infantile Triebleben. „Die Erziehung kämpft mit der Art des Kindes oder — wie der Erwachsene es zu nennen gewöhnt ist — mit seinen Unarten“. Die Psychoanalyse ordnete sie zu einem organischen Ganzen und wies nach, daß „diese Unarten keine beklagenswerten zufälligen Abnormitäten des Kindes vorstellen, sondern die natürlichen normalen Glieder in einer schicksalsmäßig bedingten Kette von Entwicklungen.“
Der dritte Vortrag umfaßt die Latenzzeit und gibt eine klare Einführung in die seelische Dynamik. Der geneigte Leser bekommt auch hier wieder feine Winke. „Der Erzieher ha