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Der Verfasser des beachteten, psychoanalytisch orientierten Werkes: „Gotthelf. Die Geheimnisse des Erzählers“ spricht darin einmal von einem unterirdischen, mystischen Strom, der aus dem Mittelalter in die moderne Zeit fließe und an dem auch der Dichter gestanden sei. In dem vorliegenden Werk hat er selbst mit analytischer Feinheit und psychologischem Spürsinn diesen Strom bis in die Anfänge unserer Zeitrechnung zurückverfolgt, speziell aber vom Beginn des dreizehnten bis zum Ende des fünfzehnten Jahrhunderts genauer untersucht und dargestellt. So ist daraus eine kleine Kirchengeschichte eines Gebietes entstanden, das sich in der Hauptsache empfangend verhalten hat, das aber in seinen Bibliotheken noch vielfach Werke des damaligen frommen Fleißes enthält, welche der Autor mit Eifer studiert hat. Er schildert in scharfgeschnittenen Zügen und knapp geprägten Charakteristiken die überragenden Persönlichkeiten, die in kurzen Streifzügen das oberrheinische Gebiet berührt und beeinflußt haben, die irischen Mönche, die ihm das Christentum brachten, Bernhard von Clairvaux, die Sänger Francisci, Bernhard von Regensburg, ihren Einfluß auf die schweizerischen Frauenklöster in frühgotischer Zeit, die Ausbreitung der Bettelorden, die Beobachtung und Wirkung Eckhards, Seuses, Taulers, den Kreis der Gottesfreunde in Basel, dann den Zerfall der Klöster infolge des Schismas und ihre Reform, die eine erneute Rückkehr zu mystischen Lehren und Praktiken brachte, und endlich die Ausbreitung der Mystik unter den Laien, wodurch der Boden für die Reformation vorbereitet wurde. Mit einer Analyse der Frömmigkeit Niklausens von der Flüh schließt das interessante Buch, das jedem Freund religionsgeschichtlicher Studien, speziell der an der Grenze erotisch-spekulativer Tendenzen stehenden Askese, Ekstase und Mystik reichlichen Stoff und mannigfaltige Anregung bringt.
Man wird nicht mit allen Wertungen und Formulierungen einverstanden sein und hie und da bedauern, daß der überreiche Stoff nicht in