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Die Angst vor dem „bösen Blick“ gehört zu jener primitiven Einstellung, nach der das Kind und der Wilde sich die Welt von Kräften und von unsichtbaren Wesen erfüllt vorstellen, die ihre Wirksamkeit auf eine das menschliche Verständnis überschreitende Art entfalten, ohne der rationalen Kausalität unterworfen zu sein. Es handelt sich selbstverständlich um das Andauern von magischen Zügen, wie sie der Kindheit eigentümlich sind, solange wir noch glauben, daß man die Umgebung durch Gedanken und Worte beeinflussen könne.
Die Angst vor dem bösen Blick setzt also, mehr oder weniger, das Zugeben von übernatürlichen und außerlogischen Vermögen, voraus. Wie jede Angst, muß aber auch diese in einem wenigstens psychisch realen Erlebnis wurzeln.
Worin besteht denn, äußerlich betrachtet, diese seltsame Angst? In dem Glauben, daß dieser oder jener Mensch einem anderen oder seiner Umgebung überhaupt durch eine verborgene Beeinflussung, und besonders durch den Blick, sei es einen körperlichen oder einen seelischen Schaden zufügen könne. Dieser Glaube erscheint in sehr verschiedenen Formen, er dehnt sich selbst auf Tiere oder auf Gegenstände aus.
Die häufigste und verbreitetste Art ist jedoch diejenige, welche eben „böser Blick“, italienisch „malocchio“, französisch „mauvais oeil“, englisch „evil eye“ usw. genannt wird: die Angst vor dem Blick bestimmter Personen.
Diese Erscheinung gehört zweifellos zu den geographisch und historisch am weitesten verbreiteten. Bereits in der Bibel wird sie an mehreren Stellen (Deut. 2854, 56; Ex. 1318; Proph. 236; 2822; Sal. 9211, usw.) ausdrücklich erwähnt. Der böse Blick war, außer bei den alten Juden auch bei den Ägyptern, Etruskern, Griechen, Römern und das ganze Mittelalter hindurch gefürchtet, wie es durch eine Reihe von speziellen Untersuchungen, die ich der Kürze halber nicht anführe, und durch Amulette und ähnliches, worauf wir später noch zurückkommen werden, erwiesen ist. Diese Unglück bringende Macht des Blickes ist schon ab antiquo vollkomme