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„Fedja (F. M. Dostojewski) nahm achtzig Gulden, ging damit spielen und verlor. Er nahm wieder ebenso viel und verlor … Er holte sich noch die letzten vierzig Gulden und versprach mir unbedingt, meine Ohrringe und meinen Ring, die für hundertsiebzig Franken versetzt worden waren, nach Hause zu bringen. Er sagte dies im Tone vollster Überzeugung, als wenn es nur von ihm abhinge, ob er gewinne oder nicht. Diese Entschiedenheit nützte ihm natürlich gar nichts und er verlor auch diese Summe.“
Eine zusammenfassende Arbeit über den Hasardspieler liegt in unserer Literatur bisnun nicht vor. Wenn analytische Autoren zum Problem des Hasardspiels überhaupt Stellung nahmen, taten sie das mehr oder weniger aphoristisch. Das ganze Gebiet des Hasardspiels ist analytisch terra incognita.
Von den analytischen Arbeiten ist vorerst die Abhandlung Freuds über Dostojewski2 zu nennen. Freud nennt als Motivationen das unbewußte Strafbedürfnis („er ruhte nie, ehe er nicht alles verloren hatte“) und meint, es sei das verschüttete Kindererlebnis der Onanie, „das sich im Spielzwang Wiederholung erzwingt, indem das ‚Laster‘ der Onanie durch das der Spielsucht ersetzt wird“.
Simmel3 stellt die Behauptung auf, die Spielleidenschaft diene der Entfaltung, bezw. der Ersatzbildung der im Unbewußten noch exzessiv wirksamen, prägenital anal-sadistischen Libido. Die unersättliche Gier, die im endlosen circulus vitiosus nicht ruht, bis Verlust Gewinn und Gewinn wieder Verlust wird, entspringe dem narzißtischen Drang in analer Geburtsphantasie, sich selbst zu befruchten und sich aus sich heraus zu gebären, in unermeßlicher Steigerung Vater und Mutter ersetzend und überflügelnd. „Die Spielleidenschaft befriedigt also letzten Grundes den Hang nach dem bisexuellen Ideal, das der Narziß in sich selbst findet; es gilt der Kompromißbildung aus Mann und Frau, aktiv und passiv, Sadismus und Masochismus, und