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Beiweitem nicht jede Arbeit von größerer Bedeutung auf anthropologischem oder selbst auf psychoanalytischem Gebiet bietet dem Leser eine so erfreuliche Anregung wie dieses Werk. Das Erfreuliche daran rührt zum Teil direkt von dem eigenen Reiz des Weges her, auf dem der Autor eine Lösung des Rätsels anstrebt, — einem Reiz, den die ausgezeichnete
Übersetzung ungeschwächt wiedergibt, — zum Teil entspringt es dem Eindruck, den der Leser von der geistigen Regsamkeit des Autors und seiner großartigen Beherrschung des Materials empfängt.
Die Leichtigkeit, die Tiefe und der Umfang des Verständnisses, die dieses Buch kennzeichnen, sind das Ergebnis zweier neuer Anregungen: der eigenen, unmittelbaren Erfahrung Róheims mit den Primitiven und seiner Anwendung der Forschungen von Melanie Klein an Hand der unmittelbaren Analysen von Kleinkindern. Sie beide zusammen ergaben die Möglichkeit, sowohl die äußeren Erscheinungen der Geschichte der menschlichen Gesellschaft als auch ihre innere Dynamik weitaus richtiger zu erkennen und zu würdigen, als dies von Seiten vieler nichtanalytischer Forscher geschieht. In diesem Gesamtbild spielen die Primitiven eine menschliche und persönliche Rolle — ebenso menschlich und persönlich wie wir, die wir von ihnen lesen und über sie schreiben. Róheim sagt selbst: „Mein erster Eindruck bei meiner Forschungsarbeit war der, daß die Primitiven nicht annähernd so primitiv sind wie die Anthropologen, mit anderen Worten, daß sie nicht annähernd so geheimnisvoll sind, wie man nach der Lektüre Tylers, Frazers, Levy-Bruhls oder sogar Róheims annehmen möchte“ (S. 238). Die neue Fähigkeit des Autors, Menschen zu sehen, wo man bisher nur „Totemismus“, „Animismus“ usw. kannte, steht im Einklang mit der Art und Weise, in der er nun das Kind in den Mittelpunkt des menschlichen psychologischen Dramas stellt. Er betont, daß es „drei Akteure in dem großen Spiel“ gebe: „den Vater, die Brüder und die Kinder“, und daß es diese drei immer gegeben haben müsse. Das Verst