You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das Buch enthält eine interessante Studie über die schwedische Schriftstellerin Ernst Ahlgren. Sie wurde 1850 geboren; ihre Mutter, die ein Ideal äußerster Selbstkontrolle vertrat, war streng religiös, der Vater war ziemlich mürrisch; ihre ersten Jahre waren arm an Liebe. Der Umstand, daß ihr einziger Bruder kurz vor ihrer Geburt gestorben war, führte dazu, daß sie in vieler Hinsicht so behandelt wurde, als ob sie ein Junge wäre. Diese Umstände riefen in ihr eine Verachtung für alles Weibliche hervor und das Bestreben, das Fehlen der Liebe durch männliches Gehaben zu kompensieren. Als ihr Vater ihr die Erlaubnis verweigerte, ihre Studien an der Stockholmer Akademie fortzusetzen, heiratete sie, mehr, um von daheim fortzukommen, als aus Liebe, Christian Benedictsson, einen Witwer mit fünf Kindern. Sie selbst hatte zwei Kinder, aber Mutterschaft war für sie nur eine Erniedrigung und ein Trauma für ihren Narzißmus; ihre eigenen Kinder behandelte sie mit weit weniger Güte und Gerechtigkeit als ihre Stiefkinder. Ihr ganzes Leben hindurch beklagte sie sich darüber, daß niemand sie mehr liebe oder schätze als irgend einen anderen Menschen. Ihre Empfindlichkeit aber über das Fehlen von Gegenliebe scheint sich zum Teil gegen sie selbst gerichtet und sich als quälendes Schuldgefühl manifestiert zu haben, weil sie selbst unfähig war, irgend jemanden voll und rückhaltlos zu lieben. Nur höchste Liebe schien für sie von Wert zu sein; geringere Grade von Zuneigung oder Liebe, die mit anderen geteilt werden mußte, erschienen ihr daher wertlos. Dieses Verhalten wird in ihrem ganzen Leben und ihrer Arbeit genau verfolgt. 1886 begegnet sie Georg Brandes und wurde trotz ihrer eigenen sexuellen Hemmung aller Wahrscheinlichkeit nach seine Geliebte; auch hier wieder wohl nicht so sehr aus Liebe als in