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Der Autor versucht, einige Eigenarten vom Leben und von den Werken Lope de Vegas psychologisch zu erklären. Er meint, daß zum vollständigen Verständnis dieses Menschen und Dichters noch ein Studium von vielen Jahren notwendig wäre. Im ersten Artikel gibt Geers einen kurzen Überblick über das äußerliche Leben Lope de Vegas, wobei besonders auf seine zahlreichen Liebesgeschichten hingewiesen wird. Die Lückenhaftigkeit des aus vielen Biographien und Autobiographien zusammengestellten Materials wird wiederholt hervorgehoben. Im zweiten Kapitel wird versucht, Lopes Zeitalter zu schildern. Unter Heranziehung der Erkenntnisse, die in Freuds „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ niedergelegt worden sind, meint Geers den spanischen Siglo de Oro als eine Periode beschreiben zu müssen, in der das Volk eine Masse von ziemlich hoher Organisation bildete, die jedoch einen regressiven Infantilismus zeigte. Geers meint damit, daß die starke Gebundenheit der Masse an den Führer (an die Trias Gott, Vaterland und König) zu einer Verringerung der intellektuellen Leistungen, zur ungehemmten Affektivität und zum Ausleben der Affekte in Taten geführt hat. Im dritten Kapitel finden wir den Versuch, die Ungebundenheit des Liebeslebens de Vegas, seine homosexuellen Neigungen und seine besonders starke Eifersucht, mit aus dem Geiste seines Zeitalters zu erklären, vor allem aber die Eigenarten seines Werkes, das ziemlich unverhüllte Hervortreten der Inzestwünsche in seinen künstlerischen Leistungen und seine Beliebtheit beim Volke, mit diesem Geiste in Zusammenhang zu bringen. Im Schlußwort folgt eine Bewertung des Künstlers: Lope de Vega habe ein zu schwaches Über-Ich gehabt, seine Selbstkritik sei nicht genug entwickelt gewesen, er sei nie „vom göttlichen Rausch des Adolescenten“ verlassen worden. Dadurch sei sein Werk zu sehr Produkt seines Zeitalters geblieben und habe zu wenig Wert für andere Zeiten und andere Menschen bekommen.
J. Lampl-de Groot (Wien)