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Wenn ich jetzt an dem Haus in der Koniginnegracht 2 vorübergehe, taucht manchmal das Bild von Jozef Israels auf, der hier lange gewohnt hat. In diesem Interieur, glaube ich, hat Jan Veth den alten Mann gemalt, der mit ruhigem, etwas müdem Blick vor sich hin sieht. Meistens aber stelle ich mir das Selbstporträt Israels vor, mit dem Hut auf dem etwas vorgeneigten Kopf, die Augen nicht beschaulich, nur schauend; im Hintergrund sein großes Bild „David und Saul“. Immer geht die Vorstellung der ungewöhnlich kleinen Gestalt des Malers der Erinnerung an seine Bilder voraus, als wolle sie etwas Bestimmtes aussagen. Vielleicht bedeutet diese Folge nur die Bejahung des Satzes, daß jeder große Künstler nur sein eigenes Porträt male. Wenn Israels das getan hat, so hat er es ohne Emphase und unaufdringlich getan. Er hat es „sans accent“ gemalt.
Visuelle Vorstellungen von den zahlreichen Bildern tauchen auf, die ich gesehen habe, eine lange Reihe düsterer und anmutiger Szenen. Mit wenig Bedauern sieht man die großen Gemälde der Frühzeit, die mehr Sentimentalität als Gefühl zeigen, rasch vorüberziehen, empfindsame Episoden und Historienmalerei. Hinter ihnen erscheint in der Erinnerung schon das Gesicht eines Fischers, der sein Töchterchen am Arm trägt, während der größere Junge an seiner Seite läuft. Der Mann geht ruhig an dem Grab der Mutter der beiden Kleinen vorüber. Das Gesicht unter der Fischerhaube läßt in seiner Verschlossenheit ahnen, was in dem Manne vorgeht. Ein anderes Bild, der „Schipbreukeling“: ein düsterer Zug bewegt sich im Morgengrauen gegen den Beschauer zu. Voran eine junge Fischerfrau; ihre zwei Kleinen drücken sich an die abwesend vor sich Hinblickende. Hinter ihr kommen vom Fischerboot die Männer, die den Ertrunkenen tragen. Weit und ruhig dehnt sich im Hintergrunde die See. Das Doppelbild: „Alleen op de wereld“. Die Frau, die weinend am Bett sitzt, in dem der Mann eben den letzten Atemzug getan hat. Auf dem anderen Bil