You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Psychoanalyse stellte ab und zu Probleme, Hypothesen und auch gesicherte Forschungsergebnisse auf, die aus der Selbstwahrnehmung gewonnen wurden, einer Methode, die vor allem durch das in der analytischen Situation eigenartig vertiefte gegenseitige Sicheinfühlen gefördert wird; denn sie gleicht einem Seelenspiegel, in dem Subjekt und Objekt oft zugleich oder auch vertauscht erscheinen.
Freilich, Arzt und Patient blicken mit verschiedener Absicht hinein: letzterer will und soll sich selbst darin erkennen, sieht jedoch statt dessen oft den Arzt. Dieser seinerseits ist bestrebt, das wirkliche Bild des Patienten zu erkennen, entdeckt aber darin häufig auch das eigene.
Die fast ausschließlich einseitig gerichtete Arbeitsweise der Fremdwahrnehmung seitens des Forschers, die in den übrigen empirischen Wissenschaften noch viel stärker überwuchert, hat gerade durch die Psychoanalyse eine empfindliche Einschränkung und zugleich eine wertvollste Ergänzung erfahren. Längst sind wir uns wieder bewußt, daß der eigentliche Weg zur Wahrheitserkenntnis, also der Weg zum letzten Ziel aller Wissenschaft, der Wegnach innen ist. Ja, es erhebt sich die Frage, ob nicht bei tiefster Wahrnehmungsanalyse sich herausstellt, daß jede Fremdwahrnehmung auf dem Umweg einer unbewußten Identifizierung mit einer meist ebenfalls unbewußten Selbstwahrnehmung zustande kommt.
Vor einigen Jahren machte ich, in dem Bestreben vertiefter Einfühlung und Herstellung eines Gefühlskontaktes mit dem Patienten, die Beobachtung, daß ich, unter möglichster Ausschaltung jedes anderen zielgerichteten Denkens, mich intensiv in ihn hineindachte, in ihn hineinversetzte, und zwar im wortwörtlichen oder metapsychologischen Sinn, d. h. also: indem ich mir vorstellte, wie ich mich — meist gestaltlos — im Körper des Patienten befinde, wie ich mit diesem zu eins verschmelze, dieselbe Atmung annehme, dieselben Gedanken denke, dieselben Reflexbewegungen habe. Dieses Sichhineinfühlen und Sichhineinversetzen hatte