You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Von einigen vorliegenden deutschen Dissertationen, die sich mit der Psychoanalyse beschäftigen, sollen die drei genannten besprochen werden. Sie dürften dafür charakteristisch sein, wie sich die Bildungswelt Deutschlands nach vier Jahrzehnten Psychoanalyse zu dieser einstellt.
Das Belesenheitsniveau ist, wie nicht anders zu erwarten, sehr hoch; sowohl die analytische als auch besonders die der Analyse feindliche Literatur ist reichlich herangezogen. Der Ton der Polemik ist zurückgehalten, um höfliche Sachlichkeit bemüht. Das Sachverständnis ist streckenweise ansehnlich, — bis es jeweils zum blinden Fleck des Autors kommt. Vergeblich würde man dem einen Autor vorhalten, daß und was der andere akzeptiert hat.
Saalfelds Arbeit ist noch alter Typus, in unserer Reihe eine Ausnahme. Er greift an der Analyse alles an und darf so hoffen, daß der ringsher andringende Schall seiner Kriegsdrommeten eine schwache Stelle der Mauer zum Einsturz bringen werde: Die Geschichtskenntnis der Analytiker ist zu gering, sie sind zu ungründlich und unvorsichtig, um sich an das Thema der Religion wagen zu dürfen. Die Verwendung des am Neurotiker gewonnenen Materiales zu religionspsychologischen Zwecken ist unzulässig. Aber auch am Neurotiker sind die Freudschen Methoden und die Ergebnisse der psychoanalytischen Forschung nicht zwingend, wie Saalfeld aus ablehnenden Stimmen verschiedenster Art feststellt. Die genetische Methode paßt überhaupt nicht zur Religionspsychologie. Die Analytiker wählen ihr religionspsychologisches Material falsch aus. Sie haben nicht die Möglichkeit der Anwendung der Psychoanalyse auf geschichtliches Material überhaupt nachgewiesen. Sie setzen sich nicht mit der übrigen religionspsychologischen Forschung auseinander. Saalfeld greift weiter an: den Freudschen Sexualitätsbegriff; die Lehren von der infantilen Sexualität, vom Ödipuskomplex, vom Zusammenhang religiöser mit sexuellen Phänomenen; den Begriff des Unbewußten; die Symbolik; die Verdrängungslehre; die weltansc