You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Seit langem kennt man in der Psychoanalyse die wichtige Rolle des Kastrat tionskomplexes beim Manne und auch bei der Frau, bei der er den Penisneid auslöst. Die Phantasien vom Eindringen in das Leibesinnere und dem Aufschneiden des Leibes (éventration), die von Melanie Klein so gut zur Geltung gebracht worden sind, schienen mir dazu ein Gegenstück zu bilden, dem im Aufbau der weiblichen Psychosexualität eine ebensolche Bedeutung zukommt.
Wie ich es schon in einer früheren Veröffentlichung2 angedeutet habe, bin ich in einem wichtigen Punkt anderer Auffassung als Melanie Klein: Ich führe den Ursprung der Angst des kleinen Mädchens vor der Penetration, der Perforation und vor der „Eventration“ auf irgendetwas zurück, das vor und unabhängig von jeder Art von Über-Ich da ist.
Ich meine, die biologische Reaktion der Angst des Individuums vor — sagen wir es sehr allgemein — der Penetration, dem Einbruch in die eigene Substanz, ist etwas sehr Primitives.
Stellen wir uns einen Augenblick irgendeine ursprüngliche Protoplasma-Masse vor. Von allen Seiten umgeben und bedrohen sie feindliche Mächte; dieser primitive Organismus wird nicht am Leben bleiben können, wenn er sich nicht gegen diese Gefahren schützt. Aber welcher Art sind nun diese Bedrohungen, diese Gefahren? Da gibt es die Austrocknung; oder harte Gegenstände, die stärker sind, können in das Innere der Substanz gewaltsam und bis zur Vernichtung eindringen. Die kleine Protoplasma-Masse wird also vermöge der geheimnisvollen Anpassung des Lebendigen an seine Umgebung lernen müssen, mit irgendwelchen Signalen auf die sie von außen bedrohenden Gefahren zu reagieren. Gegen die Austrocknung wird sie sich mit einer Schutzmembran umgeben können; vor der Bedrohung durch harte und durchdringende Körper wird sie sich zurückziehen und flüchten.