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Die Psychoanalyse kann vor allem als eine dynamische Wissenschaft charakterisiert werden, insofern sie das Seelenleben als die Manifestation und das verwickelte Zusammenspiel von Tendenzen und Antrieben betrachtet, die letzten Endes im motorischen Verhalten zum Ausdruck kommen. Abgesehen von diesem dynamischen Zug hat die Psychoanalyse zwei fundamentale Gesichtspunkte in die Psychologie eingeführt: einen soziologischen und einen biologischen.
Die biologische Orientierung besteht darin, daß man alle dynamischen Kräfte als biologisch bedingt betrachtet, als Manifestationen jener energieverbrauchenden Prozesse, die das biologische Phänomen „Leben“ konstituieren. Dieser biologische Aspekt kann leichter diskutiert werden, wenn die soziologischen Beziehungen der Psychoanalyse beschrieben sind; wir werden später auf ihn zurückkommen.
Die soziologische Orientierung kann in Kürze so formuliert werden: Die Entwicklung der Persönlichkeit läßt sich, wenigstens zum Teil, als Prozeß der Anpassung der ursprünglichen, angeborenen, phylogenetisch vorgebildeten triebhaften Tendenzen an die Anforderungen des Gemeinschaftslebens, wie sie von einer gegebenen Kultur vertreten werden, betrachten und verstehen. Dieser Anpassungsprozeß kann auch als Prozeß der Domestizierung oder Sozialwerdung des ursprünglich sozial unangepaßten Individuums beschrieben werden. Ein gesundes Individuum kann nach der Geburt als ein biologisch gut funktionierender Organismus betrachtet werden, der aber das Problem der Anpassung seiner biologischen Bedürfnisse an bestimmte spezielle Bedingungen noch zu lösen hat — das Problem der Anpassung an normative und einschränkende Anforderungen, wie sie jede Form kulturell organisierten Gemeinschaftslebens auferlegt.
Die Untersuchung normaler, psychoneurotischer und psychotischer Erwachsener hat gezeigt, daß nie, nicht einmal beim Normalen, die ganze Persönlichkeit an diesem Domestikationsprozeß teilhat. Kein Erwachsener ist eine homogene Einheit. Das sozial angepaßte bewuß