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In einer Abhandlung „Über die Einteilung der Triebe“ gibt Bernfeld zwei Vorschriften zur Zuordnung einer Tatsache zum Bereich der Libido. Die erste wird das psychoanalytische Kriterium benannt und betrifft den Libidobegriff im Sinne der Sexualtriebe (zum Unterschied von den Ichtrieben), die zweite soll ein physiognomisches Kriterium sein und betrifft den Libidobegriff im Sinne der Lebenstriebe (zum Unterschied vom Aggressionstrieb). Diese zweite Vorschrift soll nach Bernfeld eine neue Untersuchungsrichtung, die objektiv gebaute topologische, erfordern.1
Sterba knüpft an Bernfeld an, stimmt der Bewußtmachung dieser zwei Libidokriterien zu, meint aber, das Gefühlsmoment der Lust sollte als das wesentlichste Element der ersten Vorschrift viel prägnanter betont werden. Es seien doch Lust und Sexualität einander zugeordnet. Das Libidokriterium muß damit, meint Sterba, schon gegeben sein: das Lustvolle.2
Es wäre vielleicht lohnend, wenn man die Verschiedenheiten der Auffassungen etwas schärfer und kühner ins Auge fassen würde. Merkwürdig genug: die grundlegenden Verschiedenheiten sind — in Bernfelds Arbeit gegenüber einer möglichen, in Sterbas Abhandlung gegenüber einer tatsächlichen Gegenmeinung — nicht ausgesprochen. Sie müssen bewußt gemacht werden, wobei vielleicht die Parteinahme der genannten Autoren nicht so intransigent ausfiele, wie sie hier herausgearbeitet wird.
Erster Gegensatz. — Sterba meint, Lust wäre gleich sexueller Lust. Daher kann Lust zugleich als Kriterium der Libido gelten. Bernfeld vermeidet diese einfache Art von Zuordnung und spricht von lustvollen Betätigungen an den erogenen Zonen. Dann — hat diese letztere Bestimmung einen überlegten Sinn — muß es auch andere Lustmöglichkeiten geben. Führe auch — wird er argumentieren können — bei jeder Lust ein psychoanalytischer Weg zu einem Libidotatbestande, so könne doch dieser ein angelehnter sein, das heißt, er könne auch eine andere, originäre Lustquelle verdecken.
Hier sollte die eine oder die andere These