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Wer Sinn und Verständnis dafür hat zu sehen, wie auch geistige Entdeckungen und Erkenntnisse organisch aus ihrer Zeit herauswachsen, wird nicht ohne Anteilnahme die Entwicklung der Psychoanalyse verfolgen können.
Mit der Wende des 19. Jahrhunderts blüht die neue Wissenschaft auf und findet ihre klassische Formulierung im Lebenswerke von Freud. Es scheint nun nicht leicht zu sein, sich in die Rangordnung wissenschaftlicher Hierarchie taktvoll einzuordnen, ohne dem schmerzlichen Gefühle Raum zu geben, von einem helleren Gestirne überstrahlt zu werden.
Betrachtungen dieser Art steigen dem Leser bei der Lektüre des vorliegenden Buches auf, das vor zehn Jahren zum ersten Male im Niels Kampmann Verlag in Heidelberg erschienen war und nun von Rascher Zürich unverändert übernommen worden war.
In drei Vorträgen wird die analytische Psychologie entwickelt, die die psychologische Begabung und Darstellungskunst von Jung nicht verleugnen. Der Autor schildert, wie er über das Assoziations-Experiment zur Annahme unbewußter gefühlsbetonter Komplexe gekommen sei, wie er Freuds Schüler wurde, wie aber dessen „Sexualtheorie und sein in dieser Hinsicht äußerst bedauerlicher Dogmatismus“ ihn schließlich genötigt hätte, sich wieder von ihm zu trennen.
Der erste Vortrag unterscheidet fünf Gruppen seelischer Störungen, „von deren Vorhandensein jeder Erzieher wissen sollte“: das geistig defekte Kind, das moralisch defekte Kind, das epileptische Kind, das neurotische Kind und die Formen der Psychose.