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Die wichtigste Arbeitsweise unserer Wissenschaft ist die genetische; wir erklären eine jetzt beobachtete seelische Erscheinung, indem wir sie auf eine früher dagewesene zurückführen und zeigen, inwiefern und durch welche äußere und innere Einflüsse der frühere Vorgang umgewandelt wurde. Diese rückläufige Arbeitsrichtung muß aber irgendwo stehen bleiben, und zwar dort, wo das früher Dagewesene, das Ursprüngliche nicht mehr gut beobachtet, nur mehr aus dem noch Beobachtbaren gefolgert werden kann. In den Kinderjahren der Psychoanalyse ist die wissenschaftliche Forschung theoretisch bis in die Blütezeit der Ödipussituation, also etwa bis zum dritten bis fünften Lebensjahr, vorgedrungen. Die so gewonnenen Einsichten haben das Beobachtungsvermögen geschärft, und die mit besseren Augen ausgerüsteten Beobachter haben diese theoretischen Annahmen glänzend verifiziert.
Auch seither hat der Eifer der Forscher nicht geruht, und immer wieder wurde versucht, auf noch frühere seelische Zustände zu schließen. Die Situation ist aber grundsätzlich verschieden. Damals wurde nur eine Theorie, rich-tiger zwei einander ergänzende Theorien — die des klassischen Ödipuskomplexes und die der polymorph-perversen Natur der kindlichen Sexualität — aufgestellt, heute stehen einige Theorien neben-, sogar gegeneinander. Leichte Unterschiede im angenommenen theoretischen Bild wären schon verständlich, wir lesen und hören aber Ausführungen, welche sehr stark von einander abweichen, oft sogar einander diametral entgegengesetzt sind, einander ausschließen. Merkwürdigerweise scheinen diese Gegensätze eine Funktion der geographischen Entfernung zu sein, so daß man — trotz bestehender Divergenzen — doch von lokalen Ansichten sprechen kann. Wahrscheinlich wird sich jeder unter uns dagegen wehren, seine Arbeiten in eine lokale Ansicht untertauchen zu lassen, und wird sich dabei auf starke Kontroversen innerhalb seiner eigenen Gruppe berufen; nichtsdestoweniger erscheinen die Ergebnisse seiner Arbeit einem