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Das größte Hindernis, das sich der Erringung einer Erkenntnis entgegensetzt, ist die Überzeugung, daß man die Wahrheit bereits besitzt.
Th. Reik: Der unbekannte Mörder.
Man hat vielfach der Psychoanalyse den Vorwurf des „Pansexualismus“ gemacht, ihr also eine Brille angedichtet, durch die etwas anderes als Sexuelles nicht wahrnehmbar sei. Es ist überflüssig, diesen Vorwurf hier zu widere legen; vielmehr scheint es mir, daß sich die Psychoanalyse noch lange nicht mit allen sexuellen Problemen in gebührendem Maße befaßt hat. So mutet es erstaunlich an, daß sich die Psychoanalyse bis jetzt mit dem so theoretisch interessanten wie praktisch wichtigen Phänomen der Prostitution noch nicht auseinandergesetzt hat. Ausnahmen in dieser Hinsicht bilden Freuds Arbeit „Über die allgemeinste Erniedrigung des Liebeslebens“ (47) und Landauers (77) Analyse einer „Dirne“, die für die vorliegende Untersuchung von grundlegender Bedeutung waren, jedoch nur Teilprobleme behandeln. Soweit ich noch einzelne Bemerkungen zu diesem Thema in der psychoanalytischen Literatur finden konnte, habe ich sie mitverwertet. Auf Grund dieser Arbeiten sowie der außeranalytischen Literatur und einiger Überlegungen soll eine breitere Darstellung und zugleich auch der Versuch unternommen werden, das Phänomen Prostitution in seinen Einzelheiten dem psychoanalytischen Verständnis näher zu bringen. Ein Anspruch auf Vollständigkeit kann allerdings in keiner Hinsicht erhoben werden; sie wäre auch schwer zu erreichen bei einem Phänomen, das so alt ist wie jede historische Nachricht und in seinen Erscheinungsformen und Verknüpfungen zu allen wichtigen Gebieten des menschlichen Lebens, wie der Kunst, Religion, Ethik, Wirtschaft und Rechtsprechung, in Beziehung steht. Hierzu kommt, daß die Prostitution bei den verschiedenen Völkern und zu verschiedenen Zeiten vielfache Veränderungen erfährt und erfahren hat, mit, durch und gleich anderen Lebensgebieten. Alle diese Einzelheiten erfassen und in diese Untersuc