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Das lateinisch geschriebene Lehrbuch ist eine Darstellung der Psychologie vom Gesichtspunkte der katholischen Theologie. Dieser Gesichtspunkt prägt dem mit gründlicher Fachkenntnis und umfassender Bildung geschriebenen Werk seinen Stempel auf und bestimmt das Urteil über die verschiedenen psychologischen Schulen und Lehrmeinungen.
Der Psychoanalyse, mit der sich der Verfasser schon 1932 in seinem Buch „Uber Psychoanalyse und Individualpsychologie“ auseinandersetzte, sind fünf Seiten gewidmet. Bei der Zusammenfassung der Lehre Freuds wirkt die Betonung jenes Teils der psychoanalytischen Theorie, der von dem Lustprinzip und dem Es handelt, und die Vernachlässigung des Realitätsprinzips, des Ichs und des Uber-Ichs polemisch. Freilich bleibt es zweifelhaft, ob auch ohne Akzentverschiebung eine andere Einstellung in der Beurteilung der psychoanalytischen Theorie zu Tage getreten wäre, weil der Haupteinwand gegen die Psychoanalyse, daß ihre Psychologie „generatim crassus materialismus est“, davon wahrscheinlich unberührt geblieben wäre.
Der Verfasser hält die Behauptung der Psychoanalyse, daß die Neurosen durch Affektverdrängung entstehen, für falsch, da viele Leiden gerade durch die Unfähigkeit, Affekte zu verdrängen, Zustandekommen (“Neuroses interdum quidem, praesertim in psychopathologicis, ex violenta affectum suppressione oriri possunt. Sed falsum est, omnes neuroses ex suppressione affectum, libidinosorum maxime, originem ducere. Plurimi angores coactivos patiuntur, non quia molestas repraesentationes supprimunt, sed quia eas supprimere non valent.“ Seite 380). Dieser Einwand beruht auf einer Mißdeutung, denn es gehört zum Wesen der psychoanalytischen Neurosenlehre, die Erkrankung nicht aus einer etwa gelungenen Abwehr, sondern aus den Schwierigkeiten im Verdrängungsprozeß, aus dem unerledigten Konflikt zwischen Triebregung und verdrängender Kraft, abzuleiten.
Allerdings werden der Psychoanalyse auch Verdienste zuerkannt, weil sie zum Unterschied von der Experimentalp