You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In letzter Zeit wurde mehrfach die Frage aufgeworfen, ob Psychoanalyse oder Psychanalyse die korrekte Form sei. Wollte man das Wort nach den Prinzipien der altgriechischen Komposition bilden, so müßte es allerdings Psychanalyse lauten, so gut wie es z. B. ψυχαγωγία, ψυχαπάτης, ἱππαλεϰτρυών heißt. Aber es ist kein Grund vorhanden, einen in heutiger Zeit neugebildeten Ausdruck, der zur Bezeichnung einer ganz neuen Sache dient, nach dem Muster der altgriechischen Komposita zu bilden; ja es ist, wenn man sich schon auf den streng philologischen Standpunkt stellen will, meiner Ansicht nach gar nicht statthaft, mit Wortgebilden, die wir erschaffen, wenn auch die Bestandteile altem Material entnommen sind, Veränderungen vorzunehmen, die in unserem Sprachgefühl nicht begründet sind.
Wenn man sich nicht damit begnügen will, der Zusammensetzung eine Gestalt zu geben, in der die beiden Bestandteile verständlich und deutlich hervortreten, sondern nach einer Regel sucht, unter die die Bildung fallen soll, so muß man sich unter den modernen komponierten Fremdwörtern auf dem Gebiete der Wissenschaft, des Handels etc. umsehen. Und hier finden wir beide Erscheinungen unserer „Psychoanalyse“ wieder. 1. o in der Kompositionsfuge auch dort, wo es als Stammauslaut nicht berechtigt ist, eine Erscheinung, die schon im klassischen Griechisch häufig ist (man vergleiche ψυχογονία, τεχνοεɩòήϛ). 2. Die Beibehaltung des Hiatus. Auch davon finden sich übrigens Spuren im späteren Griechisch, denn wir haben ein ψυχοειδήϛ belegt, das zu einer Zeit entstanden ist, wo das ursprünglich im Anlaut des zweiten Teiles stehende Digamma längst geschwunden war. Man hatte aus früherer Zeit einige Worte ererbt, in denen ειδήϛ nach einem Vokal stand; diese Bildungen waren durchaus korrekt, da sie zu einer Zeit entstanden, in der das hiatustilgende Digamma noch stand. Nach ihrem Muster schrieb man dann ψυχοειδήϛ, zugleich ein Beispiel dafür, wie stark auf diesem Gebiete die Analogie wirkt. Das ist wichtig für uns