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Die Selbstblendung des Ödipus versuchte ich, mich auf psychoanalytische Erfahrungen berufend, als Selbstentmannung zu deuten**), und behauptete, daß Augen oft symbolisch für Genitalien gesetzt werden. Die Tatsachen, auf die ich mich bei dieser Deutung bezog, will ich im folgenden kurz anführen.
Eine junge Dame leidet an einer Phobie vor spitzen Gegenständen besonders vor Nadeln: ihre Zwangsbefürchtung lautet: ein solcher Gegenstand
**) Symbolische Darstellung des Lust- und Realitätsprinzips im Ödipus Mythos Imago. I. Jahrg. 1912, S. 276 ff.
könnte ihr einmal das Auge ausstechen. Die nähere Untersuchung des Falles ergibt, daß diese Dame mit ihrem Freunde seit einer Reihe von Jahren in innigem Sexualverkehr steht, dabei aber sich ängstlich davor hütet, die Immissio penis zu gestatten, die ihre anatomische Integrität durch Zerreißung des Hymen schädigen würde. Dieser Dame passieren nun allerlei Unfälle, die meist das Auge treffen; zumeist unbeabsichtigte Selbstbeschädigungen mit Nadeln. Deutung: Substitution des Genitales durch die Augen und Darstellung der das Genitale betreffenden Wünsche und Befürchtungen durch Zufallshandlungen und Phobien, die die Augen zum Gegenstand haben.
Ein myopischer Patient mit bewußten Minderwertigkeitsbefürchtungen und kompensierenden Größenphantasien verlegt alle seine hypochondrischen und ängstlichen Gefühle und eine übertriebene Verschämtheit auf seine Kurzsichtigkeit; diese Gefühle gelten aber im Unbewußten dem Genitale. Als kleines Kind hatte er sexuelle „Allmachtsphantasien“, die sich auf Mutter und Schwester bezogen; später schmerzliche Einsicht in seine sexuelle Minderwertigkeit (Komplex des zu kleinen Penis, Hypochondrie, „Schwächezustände“), die durch übertriebene Onanie und sadistische Koitusakte kompensiert wurden. Mit Hilfe der symbolischen Gleichung: Auge = Genitale, gelang es ihm nun einen großen Teil dieser sexuellen Wünsche und Befürchtungen am Auge darzustellen. Die nicht einmal ganz gründliche analytische Aufklärung reduzier