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In meiner psychoanalytischen Tätigkeit fiel mir von jeher auf, daß manche Neurotiker und Geisteskranke immer wieder das Gespräch auf den Großvater oder auf die Großmutter brachten, obwohl die Großeltern in keinem der einschlägigen Fälle die Lebensschicksale jener Individuen entscheidend beeinflußt hatten. So verschieden unter einander nun die Krankheitsfälle waren, welche diese Erscheinung darboten, so führte die Psychoanalyse doch zu einem gleichförmigen Ergebnis: die besondere Hervorhebung des Großvaters oder der Großmutter wurzelte stets in einer heftigen Ablehnung des Vaters resp. der Muttert.
Die tieferen Ursachen der eigenartigen Erscheinung werden uns, wie so vieles andere im Wesen der Neurotiker, begreiflich, wenn wir das Verhalten der Kinder zum Vergleich heranziehen. Zwei Beispiele aus dem Leben eines gesunden oder doch nur leicht neurotischen Knaben mögen den Beweis liefern.
Der Knabe gibt sich der typischen Phantasie hin, der Prinz eines von ihm erdachten Reiches zu sein. Den König des Reiches stattet er mit ganz denjenigen Eigenschaften aus, die ihm bei seinem Vater besonderen Respekt einflößen. Später setzt er diesem König noch einen Vater (sich selbst also einen Großvater) vor, den er mit der Fähigkeit, durch sein Wort Dinge zu erschaffen, d. h. also mit göttlicher Allmacht ausstattet. Der Effekt ist klar: dem Vater, der in den Augen des kleinen Kindes allmächtig gewesen war, wird ein Höherer vorgesetzt, den auch er respektieren muß; damit wird seine ihm früher zugeschriebene Omnipotenz bestritten. Es ist zu bemerken, daß der Knabe seine beiden Großväter nicht gekannt, die großväterliche Gestalt in seinem Fabelreiche also im wesentlichen aus eigener Phantasie geschaffen hatte.