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Ich habe eine Ansichtskarte von meinem Bruder aus L. erhalten. Die Karte aus der fill mich erlebnisreichen Stadt hat mich für eine Zeitlang der Realität entrissen und in die ehemalige Phantasiewelt versetzt. Ich wurde „zerstreut“.
Als ich in die Klinik kam, fühlte ich großen Hunger. „Merkwürdig,“ sagte ich zu einem Kollegen, „daß ich diese Tage eine so quälende Eßlust habe; es wird mir direkt schlecht, wenn ich nicht gleich was essen kann.“ Nach diesem Geständnisse setzte ich meine Arbeit, das Schreiben einer Krankengeschichte, fort.
Nicht wenig überrascht war ich, als ich die zwei von mir eben verfaßten Sätze las: „Pat. konnte keinen Atem holen, sie hatte immer essen.“ Letzteres Wort habe ich statt „eng“ gebraucht.
Die Verschreibung zeigt deutlich, daß ich, während ich die Krankengeschichte schrieb, immer noch an das stark gefühlsbetonte Essen dachte. Der Gedanke war mir aber nicht mehr bewußt. Die Klangähnlichkeit zwischen „eng“ und „essen“ begünstigte natürlich die Fehlleistung.
Als ich nachmittags wieder in die Klinik fuhr, dachte ich lebhaft daran, wie gern ich eine Reise nach der Stadt meiner Studienzeit, L. gemacht hätte. Bald mußte ich jedoch meine Träume unterbrechen: ich mußte aussteigen. Um eine Fehlleistung, wie die vom Morgen, zu verhüten, ging ich an einen Automaten, mir was Eßbares zu kaufen. Die Automaten auf diesem Bahnhof kannte ich sehr gut, weil ich sie öfters benützte. Deshalb mußte ich wiederum staunen, als ich statt der erwarteten Eßware eine Fahrkarte herausfallen sah. Ich hatte die weit voneinander entfernten Automaten verwechselt: der noch im Unbewußten herrschende Wunsch zu fahren, setzte sich in der „Symptomhandlung“ durch, indem ich eine Fahrkarte kaufte.
Meine Yerirrungen an diesem Tage wollten kein Ende nehmen. Abends ging ich zu meiner Mutter. Soeben hatte sie eine Ansichtskarte mit Grüßen von verschiedenen Bekannten erhalten. Eine Dame darunter, welche ich nicht gern mochte, sandte ihr herzliche Küsse. Die Dame hieß Nelli W. „Aber Mutter!