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Die vorliegende Studie des durch Vorarbeiten auf diesem Gebiet bereits bekannten Verfassers tritt als erster Band eines auf mehrere Abteilungen und zahlreiche Bände berechneten Sammelwerkes „Forschungen über gleichgeschlechtliche Liebe“ auf. Das ungeheure und hochinteressante Material,
das der Verfasser in langjähriger Sammel- und Forschungsarbeit gewonnen und gesichtet hat, fuhrt zu dem Ergebnis, daß bei allen Naturvölkern ohne Ausnahme eine mehr oder minder große Zahl von Individuen beider Geschlechter dazu neigt, die Rolle des anderen Geschlechtes bald in einigen, bald in fast allen Beziehungen zu übernehmen. Mit Recht tritt daher der Verfasser den unverständlichen und mißverständlichen Auffassungen entgegen, welche in der gleichgeschlechtlichen Liebe lediglich eine Entartungserscheinung des Einzelnen wie ganzer Völker sehen wollen oder eine auf schnöde Spekulation berechnete Entäußerung jeder höheren Menschlichkeit und Gesittung. „Die bei den Naturvölkern zur Beobachtung gekommenen Erscheinungen gleichgeschlechtlichen Lebens machen auf jeden Unbefangenen den Eindruck elementarster Natürlichkeit“ (S. 664). Die Psychoanalyse nimmt mit Befriedigung von diesem Befund Kenntnis, der die gleichgeschlechtliche Neigung nicht als spezielle Eigenart einer besonderen Gattung des Homo sapiens in Anspruch nimmt, sondern sie als allgemein-menschliche Erscheinung zu begreifen sucht. Die analytische Erforschung des Seelenlebens neurotischer und auch gesunder Personen hat zu der Einsicht geführt, daß die gleichgeschlechtliche Neigung, die bei gewissen Individuen manifest hervortritt, unbewußterweise bei allen Menschen wirksam ist und in sublimierter Form einen bedeutsamen Anteil an allen sozialen und kulturellen Leistungen hat. Daß bei den Naturvölkern, die, auf einer relativ niederen sozialen Stufe stehend, ihr Triebleben großenteils noch direkt auszuleben Gelegenheit haben, die gleichgeschlechtliche Liebe sich so häufig findet, scheint zu den psychoanalytischen Ergebnissen un