You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die folgenden für uns wertvollen Beobachtungen entstammen den gewissenhaften Notizen einer Dame, deren Interesse für das Kinderleben die Überlassung zur Mitteilung zu verdanken ist. Die betreffende Person hat kaum eine Kenntnis von den psychoanalytischen Ergebnissen und Lehren and
hatte auf meinen Wunsch die Liebenswürdigkeit, mir ihr in gänzlich unvoreingenommener Weise gewonnenes Material zur Veröffentlichung zu überlassen. Ich selbst habe mir nur wenige Bemerkungen dazu erlaubt.
„11. April 1912. Heute bemerkte ich zum erstenmal, daß der jetzt 3½ jährige Fritzel sexuelle Empfindungen habe und hätte nicht geglaubt, daß das bei einem solchen Kinde möglich wäre, wenn es sich mir nicht in unzweifelhafter Weise aufgedrängt hätte. Es ist mir auch mit einem Male klar geworden, daß das schon längere Zeit in ihm steckte und sich geäußert hat, ohne daß ich ihm Beachtung geschenkt hätte. Als ich heute nachmittags nach Hause kam und schon halb ausgezogen (im Unterrock, aber noch mit der Bluse) zu ihm hineinging, war er schon zum Nachmittagsschlaf ins Bett gelegt worden. Da steht er im Bett auf, schaut mich mit einem ganz merkwürdigen neugierig großen Blick an und sagt: „Wie schaust du heute aus?“ — Das ist mir wohl aufgefallen, aber ich habe nichts weiter dabei gedacht, da er öfter derartige Bemerkungen mir gegenüber macht, was allerdings jetzt in einem ganz anderen Lichte erscheint. So hat er unlängst, als ich einen außergewöhnlichen Schlafrock anhatte, gefragt: „Warum bist du heute so schön?“ — Ich sagte ihm jetzt: „Du mußt schlafen!“ aber er bat mich, bei ihm zu bleiben. Ich sagte ihm, ich muß mir erst den Schlafrock anziehen, dann komme ich, was ich ihm aber nur so versprochen habe. Ich gehe dann ins andere Zimmer, aber er ruft mich fortwährend und will nicht schlafen. Öfter fragt er durch die geschlossene Tür hindurch: „Was tust du?“ Und ich sagte: „Ausziehen!“ — Endlich bin ich doch hineingegangen, damit er Ruhe gibt; ich geh zu seinem Bett und sage: „Jetzt wirst du ab