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Wir verdanken bekanntlich der psychoanalytischen Erforschung der Neurotiker ganz ungeahnte Einblicke in das Triebleben des Menschen.
Dennoch vermisse ich, sowohl in den zusammenfassenden und grundlegenden „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ Freuds, als auch in den späteren Detailarbeiten, einen Gesichtspunkt, den ich am D. Neurologen- und Psychiater-Kongreß in Krakau im Zusammenhang mit dem Thema der „psychischen Bisexualität“ abgehandelt habe, und den ich hier, — wenn auch nur in Kürze — isoliert betrachten möchte.
Da diese meine Betrachtungen eine Elementaruntersuchung sein sollen, ist es wohl natürlich, daß ich von dem Freudsehen Begriff des Partialtriebes ausgehen werde. „Neben einem an sich nicht sexuellen, aus motorischen Impulsquellen stammenden „Trieb“, unterscheidet man an ihnen einen Beitrag von einem Reize aufnehmenden Organ (Haut, Schleimhaut, Sinnesorgan). Letzteres soll hier als erogeno Zone bezeichnet werden, als jenes Organ, dessen Erregung dem Trieb den sexuellen Charakter verleiht.“ (Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie.)
Ist durch diese Definition Freuds die den Sexualcharakter des Triebes bestimmende Rolle der erogenen Zone festgelegt, so erscheint mir derselbe noch nach einer anderen Richtung bin unlösbar an die erogene Zone gebunden, nämlich in bezug auf sein Ziel. (Nach Freud: die Handlung, nach welcher der Trieb drängt.)
Nach dem Kriterium seiner Ziele beurteilt, unterscheiden wir bekanntlich bei dem an und für sich geradezu paradigmatisch aktiven Sexualtrieb, aktive und passive Triebe; begrifflich und sprachlich richtiger: Triebe mit aktiven und passiven Zielen. Ich bin nun der Ansicht, daß auch dieser Charakter des Zieles (obaktiv oder passiv) dem Triebe gleich falls von seiner erogenen Zone verliehen