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Man darf beim Versuch, sich über die Sexualität der Kinder zu informieren, nicht übersehen, daß die Mitteilsamkeit, tier Kinder in diesen Dingen auch beim denkbar besten Vertrauen zu den Eltern eine bedingte ist. Der Abgewöbuungsprozeß der kindlichen Sexualbetätigung bringt es trotz der mildesten Erziehung mit sich, daß über allen Beziehungen, die an Sexualität anklingen, ein gewisses Verbot liegt, welches außerdem durch zwei Momente verstärkt wird: das erste ist jenes pointierte Stillschweigen über alles, was Sexualität heißt und das nur bei besonderen Anlässen durchbrochen werden darf; das zweite ist die eindeutige Ablehnung, die der Sexualität, in der Schule geboten wird. Die Erfahrung der meisten psychoanalytischen Versuche mit Kindern lehren, daß diese Widerstände auch bei den freimütigsten Kindern immer uueb groß genug sind, um zu einer Abschwächunp und Verfälschung der Bekenntnisse zu führen. Ganz abgesehen davon, daß es im Familienleben von Schulkindern, die schon zimmerrein und manierlich sind, kaum jemals einen Anlaß gibt, um ein Examen über sexuelle Phantasien anzustellen, ohne die Gefahr heraufzubeschwören, daß die Aufmerksamkeit des Kindes für das Sexuelle in besonderem Maße isoliert werde. Diese Gefahr wird vermieden, wenn die Kinder die sexuellen Phantasien im Verlauf einer anders gearteten, unverdächtigen und zugleich interessanten persönlichen Mitteilung preisgeben können, wie dies bei der Analyse von Träumen möglich wird. Die Kinder sind dann ganz und gar mit dem Vorgang der Analyse und der Assoziationen beschäftigt und führen den Analytiker auf dem Wege des denkbar geringsten Widerstandes in ihre Geheimnisse ein. Wie erfolgreich diese Arbeit sein kann, sollen die zwei folgenden Beispiele darlegen.
Beide Träume stammen von einem zehnjährigen Knaben, Schüler der vierten Volksschulklasse. Die Traumanalyse konnte in dem zu demonstrierenden Maße nur darum gelingen, weil der Träumer, ein ungewöhnlich intelligentes Kind, ein sehr reifes und kluges Interes