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Neuerdings ist infolge der Freudschen Trautnbypothese das Traumwesen Gegenstand eifriger Diskussion geworden. Die Theorie dieses Forschers geht dahin, den Traum als eine Wunscherfüllung zu erklären. Es ist nicht unsere Absicht, au dieser Theorie Kritik zu üben. Wir wollen nur in folgender Abhandlung vom Standpunkte der historischen Entwicklung der Traumlehre zeigen, daß schon in der talmudisch-rabbinischen Literatur zum Teil der Freudschen Gedankenrichtung ähnliche, zum Teil ihr widersprechende Anschauungen zum Ausdruck gelangen. Unsere Abhandlung soll auch einen Beitrag zum ersten Kapitel „die wissenschaftliche Literatur der Traumprobleme“ des rühmlichst bekannt gewordenen Freudschen Werkes „Die Traumdeutung“, 2. Aufl. 1909, liefern.
Nachzuweisen, daß die Spuren einer neuverköndeten Theorie hie und da in der Literatur der Alten zu finden sei, will allerdings nicht viel heißen. Denn alles vernönftige ist schon einst gedacht worden. Der Lorbeerkranz gebührt nicht demjenigen, der eine neue wissenschaftliche Theorie erdacht hat, sondern demjenigen, der sie zum Durchbruche und zur Anerkennung bringt. Allein es ist auch kulturhistorisch interessant zu erfahren, wie zu verschiedenen Zeiten auch in der talmudisch-rabbinischen Literatur das Wesen des Traumes vom physiologischen, psychologischen und religiösen Standpunkte aus beleuchtet wurde, und daß auch in dieser Literatur die modernste Traumhypothese direkt und indirekt Erwähnung findet.
Bevor wir an unsere eigentliche Aufgabe gehen, wollen wir vorerst die in neuerer Zeit geäußerten Ansichten über den Traum anführen.
Das eigentliche Wesen des Traumes zu erforschen, ist eines der schwierigsten Probleme der Physiologie und Psychologie. Solange wir den Zustand der Ruhe des Gehirns, den wir Schlaf nennen, nicht genögend erforscht haben, können wir auch das wahre Wesen des Traumes, das mit dem des Schlafes auf das innigste verknöpft ist, nicht recht erfassen und begreifen. Unsere Kenntnisse Uber den Schlaf aber sind sehr dörftig