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Frau X zu Frau Y: Ach, wissen Sie, mein Mann ist impotent geworden!
Darauf diese: Ah, da gratuliere ich. — Ist wohl mehr als kaiserlicher Rat?
Diese Antwort, die stets lebhafte Heiterkeit erregt, wird einer Dame der reichen Wiener Gesellschaft in den Mund gelegt; ähnlich wie viele andere derartige Witze soll or der Charakteristik der betreffenden Dame dienen, die aus dürftigen und ganz einfachen Verhältnissen zu großein Reichtum und gesellschaftlicher Geltung emporgestiegen ist. Vielleicht ist sie ein Racheakt der weniger vom Schicksal Bevorzugten, diese Verspottung der Dame, bei welcher der materielle und der geistige Besitz in solch' einem krassen Mißverhältnisse zueinander stehen sollen.
Doch außer dieser Spotttendenz scheint mir dieser Witz einen ungleich tieferen Gehalt zu besitzen, weshalb ich ihn hier einer kleinen Analyse unterziehe.
Ich gerate in Verlegenheit, wenn ich, der Freud sehen Einteilung folgend, diesen Witz nach seiner Technik klassifizieren und einreihen will. Dieselbe besteht hier offenbar darin, daß zwei völlig heterogene, ganz verschiedenen seelischen Gebieten ungehörige Vorstellungen zueinander in eine Relation gebracht werden. Ich meine nun, daß uns vorerst diese verblüffende Technik schon abmahnen sollte, das Wesen und die Wirkung dieses Witzes von der, der prätentiösen Dame zugemuteten Unkenntnis des Fremdwortes abzuleiten. Dagegen spricht überdies der Umstand, daß solche Ignoranzwitze gewähnlich auf der Verwechslung von zwei ähnlich klingenden Fremdwörtern beruhen (z. B. Irrigator statt Aligator, Syphiüde statt Sylphide), ferner, daß sie wohl selten einen derartigen Lacherfolg haben, wie der hier besprochene.
In unserem Witze wird aber der Dame nicht eine Unkenntnis, wohl aber ein Mißverstehen des Fremdwortes zugeschrieben. Denn die beiden zueinander in Relation gebrachten Vorstellungen stehen, so recht betrachtet, eigentlich im Verhältnisse eines gewissen Gegensatzes zu einander; die eine repräsentiert einen Mangel, einen Defekt, ein Gebreste