You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der Titel des Buches deckt sich nicht mit dem Inhalte. Hätte ihn der Autor um ein einziges Wort erweitert, indem er von der Psychologie des gelenkten kindlichen Interesses spräche, dann würde man die gänzliche Außerachtlassung
wichtiger für die Kinderseele spezifischen natürlichen Interessensphären nicht als Mangel empfinden, sondern die Arbeit als wertvollen Beitrag zur reinen Schulpädagogik, wie sie an Lehrerseminarien und verwandten Anstalten betrieben wird, anerkennen. Derjenige aber, der die Entwicklung der kindlichen Seele beobachtet, ohne die Kritik des Erlaubten und des Anstößigen zur Basis seiner Untersuchungen zu machen, kann sich damit nicht einverstanden zeigen, aus dem Interessengebiete des Kindes alles verwiesen zu sehen, was in der Wirklichkeit gerade den breitesten Baum einnimmt. Gewiß äußern sich 8-14jährige Kinder — auf solche erstrecken sich zum größeren Teil Nagys Beobachtungen — nicht mehr so unbefangen über ihre innersten Gedanken und Gefühle, wie die Kleinen, und am wenigsten tun sie das in relativ fremder Umgebung. Wir dürfen in der Tat nicht erwarten, daß die 20 von Nagy beobachteten Zöglinge einer Ferienkolonie ihr Seelenbinnenleben dem Leitungs- und Aufsichtspersonal hüllenlos dargeboten hätten. Aber es fehlt auch für ältere Kinder nicht an Gelegenheiten, wo sich ihr Sinnen und Fühlen unverfälscht in Wort und Gebärde ausspricht. In solchen Augenblicken bietet sich dem, der gewohnt ist, auch flüchtigen triebhaften Äußerungen des Seelenlebens bis zu ihrem Ursprünge nachzuforschen, reichliches Material zum Studium des kindlichen Interesses. Nagy knüpft seine Beobachtungen über die Entwicklung des kindlichen Interesses an gemeinsame Spaziergänge mit den Knaben und mit den Mädchen, an Besuche von Dreschtennen und Schmiedewerkstätten. Er schildert eingehend, welchen Wandel das Interesse an diesen Objekten bei seinem Neffen und seiner Nichte in einem Zeitraum von fünf Jahren (im Alter von 5 1/2-10 1/2 resp. 3 1/2-8 1/2 Jahre) erfahren hat, wie