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Eines Tages suchte mich die Schwester eines jungen Künstlers auf und erzählte mir, daß ihr Bruder A., ein sehr begabter Mann, sich seit einiger Zeit ganz sonderbar benehme. Er hätte die Abhandlung eines Arztes über die Serumbehaudlung der Tuberkulose gelesen1), seitdem beschäftige er sich immer nur mit sich selbst, lasse seinen Harn und sein Spritum auf abnorme Bestandteile untersuchen, und obzwar sich solche nicht vorfanden, unterzöge er sich der Serumbehaudlung bei jenem Arzte. Es zeigte sich bald, daß es sich bei ihm nicht um eine einfache hypochondrische Verstimmung handelte. Nicht nur jener Aufsatz, sondern auch die Persönlichkeit jenes Arztes machte auf ihn einen ungewöhnlichen Eindruck. Als dieser den jungen Mann einmal etwas barsch anfuhr, vertiefte er sich in seinen Aufzeichnungen (die mir die Schwester zu lesen gab) in endlose Grübeleien über die Frage, wie man dieses Verhalten des Arztes mit der Tatsache, daß jener ein wirklicher Gelehrter ist (was er nicht zu bezweifeln wagte), in Einklang bringen kann. Es stellte sich dann heraus, daß seine hypochondrischen Ideen in ein größeres, philosophisches System verflochten, gleichsam in dessen Gebäude hineingebaut waren. Seit längerer Zeit interessierte sich der junge Mann für Naturphilosophie Ostwalds, zu dessen eifrigem Anhänger er sich bekannte; einen besonders tiefen Eindruck machte auf ihn die energetische Hauptidee und die starke Betonung des ökonomischen Prinzips in den Vorschlügen jenes Gelehrten. Die Sentenz, daß man mit möglichst geringer Energieausgabe möglichst viel zu stände bringen soll, wollte er in seiner praktischen Lebensführung in jeder Hinsicht realisieren, verstieg sich aber dabei zu Übertreibungen, die sogar der die Intelligenz des Bruders besonders hochschätzenden Schwester sonderbar vorkamen. Solange er sich nur ungemein pünktliche schriftliche Tagesordnungen zurechtlegte, in