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Freud macht in seiner „Traumdeutung“ auf die Ähnlichkeit zwischen Traum und Volksschöpfung aufmerksam: sowohl der Träumer als auch der Volksdichter erhalten Triebkräfte aus dem Unbewußten, welches sich mit infantilen Wünschen beschäftigt. So begreifen wir auch das Umgekehrte: warum wir einmal gehörte Volkssagen und Mythen gern in Träumen verwenden. Eine bekannte kindliche und Volksphantasie ist es, man sei Sohn oder Tochter vornehmerer Eltern, die man erst später zufällig kennen lernt, während man bis jetzt die einfacheren Pflegeeltern für die richtigen Erzeuger gehalten bat. Die 13jährige Krna träumt zur Menstruationszeit, sie tanze in einem zerrissenen roten Kleidchen. Zweifellos hat die Vorstellung des menstruellen Blutes zur Darstellung des roten Kleidchens im Traume mitgewirkt. Allein es ist noch nicht alles damit erklärt. Woher bat die Träumerin das Vorbild des so tanzenden Mädchens genommen? Wissen wir das — dann wissen wir auch welche Phantasien sie bei der Bildung des Traumes beschäftigten. „Haben Sie schon jemanden so tanzen gesehen?“ frage ich. Die Irindliehou Träume lassen sich leicht entziffern. Sofort erinnert sich Erna „Mignon“ im Theater so gesehen zu haben. Mignon ist ein von Zigeunern geraubtes vornehmes Kind. Eines Tages weigert sie sich dem Befehle des Bettlers zu gehorchen und ihren gewohnten Tanz zu tanzen. Es könnte ihr schlimm werden, allein der Zufall rettet sie: sie findet Beschützer, von denen der eine sich später als ihr lang vermißter Vater entpuppt, der andere ist ein vornehmer junger Mann, welcher dann die Gerettete heiratet.
Erna wohnt in recht bescheidenen Verhältnissen mit ihrer Mutter und einem kleinen Bruder. Sie hört öfters mit Sehnsucht von ihrem seit langem weit abwesenden Vater erzählen. Der Vater soll die Kinder über alles lieb haben. Erna hat ein starkes Liebesbedürfnis, umsumelir, als die Mutter den jüngeren Bruder viel mehr verzärtelt.
Nun begreifen wir, warum sich das Mädchen im Traume mit Mignon identifiziert. Sie möchte a