You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Ein Bekannter erzählte mir vor einiger Zeit folgenden Traum: „Ich gehe durch eine lange Reihe von Zimmern. Immer, wenn ich glaube, zu Ende zu sein, kommen noch einige hinzu. Ich beginne zu fürchten, daß ich den Ausgang nicht finden werde. Schließlich gelange ich doch ins Freie und erwache dann mit leichter Angst,“ Die Anstellung einer Analyse verbot sich durch die Umstände, unter denen die Erzählung stattfand. Immerbin suchte ich eine Bestätigung für die als typisches Element bereits bekannte Deutung des „Zimmers“ zu erlangen, indem ich die Frage stellte, ob ihm dieser Teil des Traumes nicht irgend etwas ins Gedächtnis bringe. Er erwidert lachend, die Zimmerreihe erinnere ihn nur an die bekannto Anekdote, in welcher die Gattin eines Parvenü ihren Gasten, die das neue, prächtige Haus bewundern, die Zimmereinteilung mit den Worten erläutert: „Hier ist mein Schlafzimmer — und hier beginnt die Flucht meines Mannes.“ Darauf aufmerksam gemacht, welchen Sinn der Traum erhalte, wenn mau für Zimraerreihe das doppelsinnige „Flucht“ einsetzt, liefert er ein neues Traumdetail: „Die Zimmer waren alle fast ganz gleich eingerichtet.“ Das sich stets gleichförmig wiederholende Zimmer ist eine ausgezeichnete Darstellung der Monotonie, die der Träumer bei dem ständigen Besitz einer und derselben Frau unangenehm empfindet. Der Überdruß und der Wunsch nach Abwechslung, die daraus gefolgert werden müssen, stimmen sehr gut zu den „Fluchtgedaukcn“ und der Besorgnis, „den Ausgang nicht zu finden“ d. b. sich nicht losmachen zu können. Die Angst, die auch nach der Befreiung und bis in den Wachzustand hinein andauert, scheint darauf hinzudeuten, daß die innere Gebundenheit an die im Traume Verlasseue stark genug ist, um eine Gegenströmung und dadurch einen Konflikt zu verursachen.
Eine Bestätigung vom Träumer einzuholen, schien mir weder nötig noch rätlich; noch weniger konnte auf die Ergründung der möglicherweise die tiefste Schicht bildenden Mutterleibs- und Geburtsphantasie eingegangen werd