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Gottfried Keller wandte seinen lebhaften und bilderreichen Träumen große Aufmerksamkeit zu. Er legte sich als junger Mann ein Traumbuch an, in das er durch einige Zeit seine Träume eintrug. Er hielt etwas auf die Bedeutung der Träume und verwendete sie bewußt sowie unbewußt in seinen Dichtungen. Wir verfügen daher über Träume Kellers in nicht geringer Anzahl.1)
Ich beabsichtige diesmal nur nachzuweisen, daß der — übrigens Hagestolz gebliebene — Dichter wiederholt Träume produzierte, die wir, auf Erfahrung an Patienten fußend, mit Bestimmtheit als Impotenzträume (Impotenzangstträume) deuten müssen. In diesen Träumen läßt sich, symbolisch verkleidet, die Darstellung der Erektion sowie des plötzlichen Abfalles derselben aufzeigen; als Phallussymbol dient „ein großer, wunderschöner Weih“ (Vogel) und ein „mächtiger, riesiger Adler“; ein andermal reitet der Träumer auf einem „prächtigen Goldfuchs“, der geflügelt sich in die Luft schwingt und kreist wie ein Falke. Die Flieger stürzen aber ab, meist von einem Schuß getroffen und nur ein verächtlicher Rest bleibt übrig:
„Heute Nacht träumte mir von einem Weih. Ich schaute in einem Hause zum Fenster hinaus; im Hofe standen die Nachbarn mit ihren Kindern. Da flog ein wunderschöner Gabelweih über den Dächern her. Er schwebte eigentlich nur, denn seine Flügel waren dicht geschloßen, und er schien vor Hunger krank und matt, indem er immer tiefer sank und sich mit Mühe wieder erheben konnte, aber nie so hoch, als er vorher gesunken war. Die Nachbarn mit ihren Kindern schrien und lärmten und warfen ungeduldig die Mützen nach ihm, um ihn ganz herahzuwerfen. Er sah mich an und schien, sich auf- und niederbewegend, mir sich nähern zu wollen. Da lief ich schnell weg in die Küche, um etwas Speise für ihn zu holen. Ich fand mit Mühe etwas und als ich hastig damit wieder am Fenster erschien, lag er schon tot am Boden in don Händen eines kleinen, lausigen Jungen, welcher die prächtigen Sch